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TippspielLustvoller Sprung in das große Leseland
Überschaubarer, entspannter: Das verbinden Fachbesucher mit der Leipziger Buchmesse im Vergleich zur weltgrößten Bücherschau in Frankfurt im Herbst. Vor allem junge Autoren aus Deutschland betreten hier eine große Lesebühne.
Über ein Drittel der insgesamt 65000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche gehört allein der Kinder- und Jugendliteratur. Aber auch in der Stadt gibt es allein 150 Lesungen in Leipziger Schulen und Kindergärten, an ungewöhnlichen Orte wie in der Zentralstation, dem Jugendamt oder in der Schwimmhalle, alles, „um das Interesse an Büchern zu wecken“, sagt Oliver Zille, Direktor der Buchmesse.
Der Stolz der Besucher auf „ihre“ Literaturstadt zeigt sich auch am Gedränge am Stand der Wochenzeitung „Zeit“: Dort hat der preisgekrönte Leipziger Autor Clemens Meyer, der im Gespräch mit Literaturkritiker Ijoma Mangold sein neues Buch „Gewalten: Ein Tagebuch“ vorstellt, genauso viel Publikumszulauf wie vorher Helene Hegemann.
In den Hallen gibt es kaum eine freie Fläche an den Eingangswänden, die nicht mit einem Werbeplakat für eine Autorenlesung beklebt ist. Kein Wunder: „Leipzig liest“, das Lesefest der Buchmesse, lockt wieder mit über 2000 Veranstaltungen und 1500 Autoren nicht nur auf der Messe, sondern an rund 300 Orten der Stadt.
Trotz des riesigen Angebots fallen hier dennoch diejenigen auf, die sonst im Trubel der Frankfurter Buchmesse im Abseits der Publikumsgunst stehen: die jungen Autoren der kleinen, unabhängigen Verlage, darunter viele aus der Poetry-Slam-Szene. Ein Geheimnis der Leipziger Besonderheit: Es gibt eine eigene „Leseinsel Junge Verlage“ – eine Lesungsplattform, in deren Umfeld sich die Mini-Stände von Verlagen wie Mairisch, Lilienfeld, Blumenbar, Verbrecher Verlag oder Voland & Quist befinden. „Im Vergleich zu Frankfurt sind wir hier einfach viel dichter an den Lesern dran“, sagen viele Verlagsmitarbeiter. Da wird der Stand von Voland & Quist auch schon mal von jungen und älteren Autogrammjägern überrannt, nachdem das Autorenensemble „Sax Royal“ aus Dresden (Michael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth) sein gleichnamiges Buch „Sax Royal“ vorgestellt hat. Sie repräsentieren eine längst in deutschen Großstädten verankerte, aber immer noch frische Lesebühnenliteratur: einen virtuosen Mix aus Prosa und Lyrik, der ohne Wettbewerbsdruck beim Vortrag mehr gelebt als nur gelesen wird. Kurze, zwischenmenschliche Alltagskomik über die sonderbaren Rituale beim Besuch eines Freundes von Seyfarth wechseln sich da mit der überspitzen Auffassung über die „Pflichten“ eines Konsumenten ab, der bei Rademann eine aberwitzige Panikattacke bekommt, weil er es nicht schafft, Geld auszugeben.
Auch die Musikverlage entdecken zunehmend die Buchmesse. Erstmals haben sie einen eigenen Bereich bekommen: 20 Aussteller versammeln sich hier – für den prominentesten Auftritt sorgte Bosworth Music, der die deutsche Erfolgsband „Silbermond“ zur Signierstunde ihres ersten Liederbuchs an den Stand holte.
Die traditionelle Nähe Leipzigs zum osteuropäischen Buchmarkt setzt sich fort auch in wirtschaftlich „sehr schwierigen Zeiten“, wie Zille dem „MDR“-Radio kürzlich sagte. Es habe in diesem Bereich keinen Einbruch bei den Ausstellerzahlen gegeben, betonte er. Schwerpunkt ist in diesem Jahr die südosteuropäische Literatur. 13 Länder der Balkanregion präsentieren sich. Langfristiges Ziel der Messe ist es, die literarischen Stimmen der gesamten südosteuropäischen Region auf dem deutschsprachigen Buchmarkt noch bekannter zu machen.




04.04.2012
