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„Die Menschlichkeit bewahren“

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„Die Menschlichkeit bewahren“

Sebastian Vettel spricht im Interview über Bodenständigkeit, Schumachers Comeback und das große Ziel

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Herr Vettel, Sie haben in einem Interview einmal gesagt, Zeitungen seien immer noch die interessanteste Lektüre. Das ehrt unsere Zunft, stimmt das aber auch?
Ich lese eigentlich ungern, lese fast keine Bücher. Aber ich lese schon öfter Zeitung, um mich schnell über das Wichtigste zu informieren.

Welche Schlagzeile über Sebastian Vettel haben Sie besonders gerne gelesen und welche schnell überblättert?
Natürlich liest jeder lieber etwas Positives über sich, aber ich komme eigentlich mit allem klar, was in der Zeitung steht. Ganz wichtig: Es muss nur der Wahrheit entsprechen!

Und welche Schlagzeile über Sebastian Vettel fehlt noch?
Vettel ist Weltmeister!

Was denkt Sebastian Vettel, wenn über ihn als „der Heppenheimer“ geschrieben wird?
Was soll ich schon denken? Es stimmt, ich komme aus Heppenheim und bin stolz drauf!

Wie gehen die Leute in Ihrem Schweizer Wohnort mit dem prominenten Bürger um?
Ich glaube, sie sehen mich nicht als einen prominenten Bürger, sondern vielmehr als ganz gewöhnlichen Bürger, was auch gut ist. Jeder will doch seine Ruhe genießen, wenn er zu Hause ist.

Bei den Tests in Barcelona war Papa Vettel mit dem Wohnmobil vor Ort, und auch bei den Rennen ist er öfter dabei. Wie hilfreich ist der familiäre Beistand in dem PS- und PR-Zirkus Formel 1?
Es ist sehr wichtig. Gerade in der Formel 1 geht es wild her, an einem Tag bist du der Größte und am nächsten der Idiot. Es ist fast unmöglich, Leute oder gar Freunde zu finden, die wirklich ehrlich und treu zu dir sind. Deshalb ist der Rückhalt essenziell. Egal, was geschieht, ich habe meine Familie, die zu mir steht.

Wir haben Sie beobachtet, wie Sie einem kleinen Mädchen lächelnd nachgeschaut haben, das sich getraut hatte, Sie vor Ihrem Wohnmobil um ein Autogramm zu bitten. Sie geben also immer noch gerne Autogramme?
Absolut. Ich denke, gerade solche Situationen sollten einen immer wieder daran erinnern, wie besonders das ist, was ich mache. Natürlich ist es eine Art Beruf, wir haben viele Termine, Besprechungen und so weiter. Manchmal bleibt nicht viel Zeit zum Genießen. Aber es ist ja nicht lange her, da war man selbst in der Rolle des Mädchens und hat sich kaum getraut, einen Fahrer anzusprechen.

Wann wird die öffentliche Zuneigung unangenehm?
Selten, aber es gibt Momente, in denen es zu viel wird und man entscheiden muss. Man lernt das mit der Zeit. Letztlich zählt der Erfolg, dem alles untergeordnet wird. Man muss professionell sein, sollte aber seine Menschlichkeit bewahren.

Hand aufs Herz: Entdecken Sie sich beim Beobachten von Michael Schumacher schon mal dabei, wie Sie denken: Ganz schön schnell, der alte Mann?
Nein. Ich glaube, man verlernt das Autofahren ja nicht. Bei den Tests hinterließen sowohl er als auch sein Team einen guten Eindruck. Trotzdem ist es schon etwas Besonderes, wenn man nach drei Jahren Pause so schnell wieder auf Tempo ist, denn die Autos, Reifen usw. haben sich seither verändert. Daran muss man sich erst mal gewöhnen.

Wie wirkt die Aufregung um die Rückkehr Schumachers auf Sie?
Ich sehe den Hype, der um Michael gemacht wird, ganz gelassen. Dadurch habe ich selbst ein wenig mehr Ruhe, das ist auch nicht schlecht. Und es kommt ja schließlich nicht jeden Tag vor, dass ein siebenmaliger Weltmeister zurückkehrt. Es ist was Besonderes für uns alle, speziell natürlich für Deutschland, aber auch für die ganze Formel 1. Das Comeback sorgt für viel Aufmerksamkeit, was in Zeiten, die nicht die einfachsten sind, natürlich sehr positiv ist. Man darf aber nicht nur von Schumacher reden, sondern muss Mercedes generell sehen. Der Nico (Rosberg) ist ja auch keine Pappnase.

Sie sind der einzige Fahrer im Fahrerfeld 2010 – neben Mark Webber natürlich –, der nicht mit einem neuen Teamkollegen in die Saison geht. Welche Vor- und Nachteile hat eine solche Konstanz?
Konstanz im Team ist auf jeden Fall ein Vorteil. Alles geht einfacher, weil man eingespielt ist. Je nach Paarung kann das schnell oder aber auch langsam und mühsam vonstatten gehen.

Wie leid tut Ihnen Ihr südhessischer Berufskollege Timo Glock, wenn Sie sehen, wie er sich fünf Sekunden jenseits der Bestzeiten abmühen muss?
Timo ist ein super Kerl, er hätte ein konkurrenzfähiges Auto verdient. Es ist eine sehr schwere Aufgabe für ihn, vor allem die Geduld zu bewahren. Timo hat Biss, er ist ein Kämpfer und wird auch diese Herausforderung packen.

Wie nah kommt man sich in der Tempohatz?
Mit Timo verstehe ich mich gut – schon seit Langem. Wir haben uns letztens an der Strecke beim Studium der Kollegen getroffen und uns ausgetauscht. Der liegt gut, der liegt weniger gut – einfach so unsere Beobachtungen. Aus so was machen wir kein großes Geheimnis. Über das, was man selbst macht, spricht man dagegen nur begrenzt.

Wie fällt die eigene Standortbestimmung nach den letzten Tests aus?
Ganz vorne sehe ich uns noch nicht, daran müssen wir noch etwas arbeiten. Wir sind einigermaßen dabei – sowohl mit mehr als auch mit weniger Benzin. Den besten Eindruck in den Tests machte Ferrari.Aber in Bahrain kann ohnehin noch mal alles ganz anders werden.

Warum?
In Bahrain haben wir schon mal 32 Grad – alsodoppelt so viele wie zuletzt in Barcelona. Der Asphalt ist auch deutlich wärmer. Die Strecke ist zum Teil neu. Dann kommt dazu, dass viele das ein oder andere neue Teil mitbringen. Da ist jede Vorhersage eine Lotterie.



 
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