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Blutleere Vorstellung des VfL Osnabrück gegen Heidenheim - Erste Niederlage nach zehn Spielen

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Blutleere Vorstellung des VfL Osnabrück gegen Heidenheim - Erste Niederlage nach zehn Spielen

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Spitzenspiel verloren, Serie gerissen, Fans enttäuscht: Der VfL Osnabrück hat bei der 0:1-Niederlage im Spitzenspiel der 3. Liga mehr eingebüßt als nur drei Punkte. Nach der blassen, blutleeren Vorstellung beim 1. FC Heidenheim ist die Tatsache, dass Lila-Weiß weiter die Tabelle anführt, allenfalls ein schwacher Trost. „Darauf können wir uns nichts einbilden“, sagte Trainer Karsten Baumann, „wenn wir so weitermachen, werden wir ganz schnell ins Mittelmaß durchgereicht.“

Ein deutliches Szenario, das keinen Raum für Zwischentöne lässt. Nach vier Spielen, in denen der VfL auch sein Glück strapazierte, aber Niederlagen trotz mäßiger Leistungen vermied, verlor die Mannschaft vollauf verdient – gegen ein Team, das leidenschaftlicher auftrumpfte, schnörkelloser spielte und geschlossener kämpfte.

Diese Unterschiede zum Überraschungsteam, das als Aufsteiger nun vom Durchmarsch in die 2. Bundesliga träumen darf, entschieden die Partie; die entscheidende Szene war die 59. Minute: Eine scharfe Linksflanke von Schnatterer sprang Alexander Krük an den ausgefahrenen Arm, Schiedsrichter-Neuling Benjamin Cortus gab nach Rücksprache mit seinem Assistenten Elfmeter; die Fernsehbilder bestätigten den Unparteiischen in seiner Entscheidung – und Weil verwandelte sicher gegen Berbig, den er in die falsche Ecke schickte.

Erst jetzt erwachte der VfL aus seiner Behäbigkeit, im Angesicht der siebten Niederlage mobilsierten einige Akteure, was sie zuvor hatten vermissen lassen: Wille, Kampfgeist und Zug zum Tor. Die Folge: Drei, vier Möglichkeiten zum Ausgleich gab es noch – etwa bei Krüks Kopfball (89.), bei Lindemanns Schuss (88.) oder Schmidts Chance (81.). Und auch die Osnabrücker hätten einen Elfmeter bekommen können, denn kurz nach dem Heidenheimer 1:0 wurde Schmidt im Strafraum von Florian Krebs umgerissen beim Versuch, an eine Flanke von Benjamin Siegert zu kommen (67.).

Wer es gut meint mit dem VfL, sollte sich allerdings nicht auf diese Szenen berufen. Das würde zu einem fatalen „Weiter-so“ oder „Das-wird-schon-wieder“-Denken führen, das innerhalb kürzester Zeit die Aufstiegspläne zerstören könnte. Die Osnabrücker verloren in Heidenheim, weil sie nicht alles aus sich herausholten, weil sie nicht konsequent und mutig nach vorn spielen und weil sie nicht die Leidenschaft zeigten, die in einem Spitzenspiel oft den Ausschlag gibt.

Lindemann verfehlt in der 2. Minute nur knapp

Nach nervösem Beginn, als sich beide Mannschaften an den extrem rutschigen, nach heftigem Niederschlag wieder schneebedeckten Boden gewöhnen mussten, hatte der VfL zunächst recht schwungvoll agiert. Bereits in der 2. Minute hatte Lindemann mit einem Distanzschuss aus 22 Metern das Heidenheimer Tor ganz knapp verfehlt; und auch danach kombinierte der VfL gelegentlich ganz gefällig und manchmal sogar geradlinig.

Doch diesen ohnehin erst zarten Faden ließ der VfL bald fallen. Die Mannschaft wurde passiv, baute den Druck nicht weiter auf, sondern ließ nach. Das machte es den Heidenheimern, die anfänglich in diesem wichtigsten Spiel ihrer Vereinsgeschichte durchaus Nerven zeigten, leicht, sich aufzurichten. „Wir haben uns regelrecht in das Spiel hineingebissen“, sagte der glückstrahlende Heidenheimer Trainer Frank Schmidt.

VfL-Coach Baumann hatte sein Team auf vier Positionen verändert: Die beim 1:1 gegen Dynamo Dresden gesperrten Konstantin Engel und Tobias Nickenig kehrten in die Startelf zurück; Engel verdrängte auf der rechten Abwehrseite Patrick Herrmann, für Nickenig räumte Oliver Stang seinen Platz. Weil außerdem Jan Tauer (nicht im Aufgebot) eine Pause bekam und Alexander Krük wieder die linke Deckungsseite übernahm, war die Abwehrreihe auf drei Positionen verändert.

Außerdem kehrten Niels Hansen (als Partner von Matthias Heidrich in der Doppel-Sechs) und Ricky Pinheiro (diesmal auf der rechten Seite im Mittelfeld, weil Benjamin Siegert sich als zweite Spitze neben Alexander Kotuljac versuchte. Zwar war auch die Abwehr (insbesondere Krük und der noch nicht wieder in Bestform befindliche Angelo Barletta) nicht frei von Fehlern, doch die ausschlaggebende Schwäche hatte der VfL in der Offensive.

Chancenquote bleibt gering

Nicht ohne Grund hat Baumann es mit Umstellungen und verändertem Personal versucht, doch die Chancenquote bleibt niedrig, und die Tore der letzten Wochen zu zählen, wäre im Kindergarten eine leichte Aufgabe. Mehr als einen Treffer hat der VfL zuletzt am 5. Dezember beim 2:1 gegen Wacker Burghausen zustande gebracht, das Spiel in Heidenheim war die zweite Partie nach der Winterpause, in der kein Tor gelang.

Die Formschwächen von Kotuljac, der gestern erneut und zu Recht in der Halbzeit ausgewechselt wurde, Siegert, der viel zu selten ins Geschehen drängt und sich zu viele Schnörkel leistet und Lindemann, der bei allem kämpferischen Bemühen sein Formtief nicht leugnen kann, sind offenkundig. Das Fehlen von Henrich Bencik war zu spüren, doch die Zahl seiner brillanten Spiele ist ebenfalls so überschaubar, dass man ihn nicht zum Hoffnungsträger stilisieren sollte. Dennis Schmidt brachte zwar ein bisschen Leben in den Sturm, hatte zwei Chancen und wurde einmal elfmeterreif gefoult, aber er ist mangels Schnelligkeit eher ein Mann für die Heimspiele. Und Thomas Reichenberger? Der verlässlichste Torjäger der letzten vier Jahre kommt über die Rolle des Einwechselspielers nicht hinaus; und die lag ihm noch nie. Zwar hat der 35-Jährige erst ein Punktspieltor auf dem Konto, doch wenn sich der VfL noch etwas von ihm erhofft, müsste er öfter die Chance in der Startelf bekommen.

Erste Niederlage nach zehn Spielen

Nach zehn Spielen ohne Niederlage hat der VfL wieder verloren; erstmals dem 0:2 am 31. Oktober 2009 in Erfurt, drei Tage nach dem denkwürdigen 3:2-Sieg im Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund. Aus den letzten drei Partien holte die Mannschaft nur zwei Punkte, ist aber immer noch Spitzenreiter.

Allerdings ist das Polster, auf dem sich möglicherweise einige Spieler ausgeruht haben, arg geschrumpft: Der kesse Neuling 1. FC Heidenheim ist bei ebenfalls 26 Spielen nur noch einen Punkt zurück, der FC Ingolstadt (gestern nach 3:0-Führung nur 3:3 gegen Eintracht Braunschweig) könnte den VfL durch Siege in seinen beiden Nachholspielen sogar überflügeln. Die Offenbacher Kickers, die viele voreilig nach dem 0:1 in Osnabrück abgeschrieben hatten, sind nach dem gestrigen 4:0 gegen Werder Bremen nur noch vier Zähler zurück.

Die Offenbacher Kickers, die viele voreilig nach dem 0:1 in Osnabrück abgeschrieben hatten, sind nach dem gestrigen 4:0 gegen Werder Bremen nur noch vier Zähler zurück. Alle weiteren Verfolger in der erweiterten Spitzengruppe sind mit Spielen in Rückstand und können durchaus noch näher rücken.

Wie sagte Manager Lothar Gans, als er enttäuscht von Mannschaft und Spiel in den Bus stieg? „Wir sind nicht besser und nicht schlechter  als alle anderen, die da oben um den Aufstieg mitspielen. Aber wenn wir anfangen zu glauben, dass wir besser sind und deshalb so durchmarschieren, dann werden wir abstürzen.“

 

VfL Osnabrück: Berbig – Engel, Barletta, Nickenig, Krük – Heidrich (76. Reichenberger), Hansen (70. Lejan), Siegert, Lindemann – Kotuljac (46. Schmidt), Pinheiro

 

1. FC Heidenheim: Sabanow – Meier, Göhlert, Krebs, Feistle – Klarer, Bagceci – Weil, Schnatterer (76. Heidenfelder) – Mayer (86. Beisel), Spann (71. Gül)

 

Schiedsrichter: Cortus (Nürnberg) – Zuschauer: 6660

Tore: 1:0 Weil (59./Handelfmeter)

Gelbe Karten: Bagceci, Heidenfelder / Krük, Nickenig, Siegert, Heidrich, Engel

Rote Karten: Klarer (90.+1/grobes Foulspiel) / -

 

 

 


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