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TippspielFilm ab, Wahlkampf läuft
Der Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 ist ein multimedialer. Und die Kandidaten in den Wahlkreisen Osnabrück-Stadt und Osnabrück-Land haben dazugelernt: Wer mit dem Medium Internet umgehen kann (oder jemanden kennt, der dies für ihn erledigt), der tut dies. Wer nicht, der lässt es lieber bleiben und erspart sich damit peinliche Web-Auftritte. Ob sich jemand für die Filmchen der Kandidaten auf der Videoplattform You-Tube interessiert, ist eine andere Frage.
Staatsmännisch erzählt SPD-Kandidat Martin Schwanholz in dem Film „Martin Schwanholz über seine Arbeit im Bundestag“ über genau das – seine Arbeit im Bundestag. Neunmal wurde das Video angeklickt (nachdem wir es uns für unsere Recherche mehrmals angesehen haben, waren es 15). Vor die „ein oder andere Wand“ sei er zunächst gelaufen, als er damals nach Berlin kam.
Durchaus kritisch schildert er die dortige Politikszene, zwischenzeitlich werden Bilder aus dem Bundestag gezeigt. Schäkern mit Hubertus Heil. Ein weiteres Schwanholz-Video findet man auf You-Tube, wenn man den Namen des Kandidaten in das Suchfeld eingibt: Eine Gesprächsrunde in der Berufsbildenden Schule Haste. Die Schüler fühlen dem Kandidaten auf den Zahn, wollen zum Beispiel seine Einstellung zu Themen wie Stammzellenforschung wissen.
Weniger Berlin, dafür mehr Osnabrück gibt es bei Mathias Middelberg (CDU). Das Schloss, das Rathaus, eine Studentin, die mehr oder minder gestellt erklärt, warum sie Middelberg ihre Stimme gibt, Middelberg selbst mit Kleinkind auf einem Spielplatz. „Wählen ändert nichts“, schreibt ein Internetnutzer unter den Clip. „Gut, dass wir den Matze haben“, ein anderer. Zudem erzählen Karmann-Betriebsratschef Gerhard Schrader und Ministerpräsident Wulff, weshalb man Middelberg wählen sollte.
Den bekanntesten Video-Auftritt kann jedoch Middelbergs CDU-Kollege und Kandidat für den Wahlkreis Osnabrück-Land, Georg Schirmbeck vorweisen. Stefan Raab machte ihn 2005 in seiner Sendung „TV Total“ bundesweit bekannt mit dem Einspieler: „So ‘ne Frau braucht Deutschland!“ und einem Schirmbeck, der frenetisch in die Hände klatscht und Kanzlerkandidatin Angela Merkel anfeuert. Einen eigenen Wahlwerbeclip auf You-Tube bietet Schirmbeck allerdings nicht, stattdessen verweist er auf „CDU TV“, den You-Tube-Auftritt der CDU.
Carl-Ludwig Thiele (FDP) scheint hingegen schon ein wahrer Medienprofi zu sein. Zum einen findet man auf You-Tube Folgen der Wahlkampftour (präsentiert vom „FDP Channel“): Thiele berichtet über das Osnabrücker Rathaus, den Dom und die Marienkirche und stellt einen persönlichen Bezug zu diesen Orten her. Daneben äußert sich Thiele in einem Video zur Erbschaftsteuer, ein Clip heißt „Thiele erklärt die Finanzkrise“, ein anderer „60 Sekunden Carl-Ludwig Thiele“(der Clip dauert allerdings knapp zwei Minuten).
Auch Rainer Spiering (SPD) hat jemanden gefundren, der ihn filmen wollte. „Meine Ziele für unser Osnabrücker Land“ heißt der Streifen. Der SPD-Kandidat steht vor den Osnabrücker Friedenszeichen und erklärt, warum Demokratie eine „spannende und sehr kreative“ Angelegenheit ist. Zwischendurch werden Bilder eingespielt: Bauernhöfe des Artlands. In einem weiteren Clip erzählt Spiering noch einmal Ähnliches, allerdings sitzend, in einem Büro.
Und die übrigen Kandidaten? Die verzichteten auf Videos. Wer mehr im Internet über sie erfahren möchte, muss ihre Homepages besuchen. Da zeigt sich zum Beispiel Dorothea Steiner (Die Grünen) in ihrem „Fotoalbum“ auch einmal ganz leger im Fußballtrikot.
Häufig angeklickt werden die Videos nicht. Wer You-Tube besucht, erwartet wohl eher Musikvideos oder Clips von niedlichen Äffchen, die sich den Bauch kraulen lassen. Die wenigen Klicks stammen wahrscheinlich eher von Parteifreunden – oder Journalisten.







