Noz
Kontakt

·

ePaper

·

Shop

·

Tippspiel

Startseite

|

„Tolle Talente steigen entnervt aus“

Schrift
 Drucken  Versenden Empfehlen auf:      


„Tolle Talente steigen entnervt aus“

Es gibt wohl kaum einen Fernsehzuschauer, der noch nicht einen Film nach einem Drehbuch von Markus Stromiedel gesehen hat. Der Krimi-Spezialist bedient etliche Erfolgsreihen in ARD und ZDF – und leidet dennoch darunter, wie die Programmmacher mit ihren Autoren umgehen. Über unangenehme Bekanntschaften, festgefahrene Strukturen und die Mutlosigkeit bei ARD und ZDF unterhielten wir uns in Bonn:

– Anzeige – Ihre Anzeige hier



Meistgelesene Artikel








Herr Stromiedel, Sie haben bekannte Fernsehfiguren wie den „Staatsanwalt“ mit Rainer Hunold in der Hauptrolle oder den „Tatort“-Kommissar Borowski (Axel Milberg) erfunden. Sind das heute noch Ihre „Babys“?

Die Babys sind in die Welt gelassen und müssen sich da jetzt selbst bewähren, was sie ja auch sehr gut tun. Wobei Borowski eine Figur ist, die ich eigentlich für die Reihe „Stahlnetz“ entwickelt habe. Die Folge „PSI“ spielte damals in Hannover, und Borowski trug noch einen kleinen Schnauzbart. Der Film hatte eine so gute Zuschauerresonanz, dass Axel Milberg darum gebeten hat, diese Figur weiterspielen zu können. Also wurde das Ganze nach Kiel verlagert und ein neuer „Tatort“ daraus kreiert. Leider konnte ich das nächste Buch nicht schreiben, weil ich damals gerade mit einem „Tatort“ für Maria Furtwängler beschäftigt war.

Sie haben Borowski gleich nach dem ersten Auftritt von der Leine gelassen?

Ja, das ist leider häufiger so, das erleben meine Kollegen nicht anders. Ein erfolgreiches Buch bedeutet nicht automatisch, dass ein Drehbuchautor diese Figur dann weiterschreibt.

Ist das nicht schmerzlich?

Das ist äußerst schmerzlich. Daran habe ich durchaus zu knabbern gehabt, mehr sogar noch beim „Staatsanwalt“, um den ich sehr gerungen und für den wir über ein Jahr am ersten Buch gearbeitet haben. So sind nun mal die Realitäten beim Fernsehen.

Mit dem ersten Drehbuch treten Sie also auch die Rechte an der Figur ab?

Das ist die Regel. Beim „Staatsanwalt“ lagen die Rechte zunächst bei mir, aber die Zusammenarbeit war dann doch recht schwierig, weil es unterschiedliche Ansichten gab, wie es mit der Reihe nach der ersten Folge weitergehen soll. Ich hätte die Geschichten und Figuren gerne radikaler erzählt. Um das Projekt und auch die Figur nicht zu beschädigen, habe ich dann irgendwann gesagt: Macht es so, wie ihr es wollt. Und wie es jetzt gemacht wird, ist es ja auch durchaus erfolgreich.

Bei Borowski haben Sie als Autor einen berühmten Nachfolger: Henning Mankell hat die Geschichten für zwei Folgen des Kieler „Tatorts“ entworfen. Erfüllt Sie das mit Stolz?

Stolz ist das falsche Wort. Borowski ist eine eigenständige Figur, die längst ohne mich lebt. Für den Sender und die Produktion ist es natürlich schön, wenn sie mit einer solchen Figur solche Autoren gewinnen können. Mich freut sehr, dass Borowski immer noch so klar und kompromisslos gezeichnet ist, wie ich ihn einst angelegt habe.

Ein ganz anderes Schriftstück von Ihnen hat im letzten Herbst für Aufsehen gesorgt: ein FAZ-Artikel mit dem Titel „Wie das Fernsehen Autoren vernichtet“ und einer Anklage gegen das „Regiment der Einfallslosen“ und die „miserable Behandlung der Schreiber“. Was hat Sie dazu veranlasst?

Ich schreibe seit ungefähr zehn Jahren fürs Fernsehen und habe – wie die meisten meiner Kollegen – teilweise sehr unangenehme Erlebnisse gehabt. Es war an der Zeit, mit aller Vorsicht, aber auch aller nötigen Klarheit diese Dinge anzusprechen. Ich hatte mir erhofft, dass eine offene Diskussion stattfindet. Im Moment sieht es so aus, dass zwar meine Thesen zur Kenntnis genommen und innerhalb der Autorenschaft diskutiert und goutiert werden. Aber bei den Sendern, so zumindest mein Eindruck, gab es kaum Reaktion und Diskussion.

Einen viel prominenteren Platz als eine halbe Seite in der FAZ kann man sich für einen solchen Denkanstoß doch gar nicht wünschen.

Das ist ja bezeichnend für die derzeitige Situation. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind festgefahren in ihren Strukturen. Positiv ausgedrückt, kann man das als solide bezeichnen, und es gibt ja auch gute Beispiele für gutes Programm. Aber es ist alles sehr unbeweglich geworden, es gibt keine Entwicklung mehr nach vorn. Wir stagnieren, wenn auch auf hohem Niveau. Der „Tatort“ wird zu Recht oft gelobt, aber muss man ständig über Leichen hinweg auf Deutschland gucken?

Schildern Sie doch mal die „miserable Behandlung“ der Drehbuchautoren.

Dazu vielleicht eine kurze Geschichte aus meinem eigenen Autorenleben. Seit Kurzem schreibe ich auch Romane. Als ich mein Manuskript für „Zwillingsspiel“ abgegeben hatte, wurde ich zur Vertreterkonferenz in den Verlag eingeladen. Die Verlagsleiterin von Droemer-Knaur begrüßte mich mit den Worten: „Herzlichen Dank, dass Sie uns Ihr Manuskript anvertrauen.“ So einen Satz hatte ich in meinen Jahren als Drehbuchautor noch nie gehört. Als ich mein erstes Drehbuch für einen „Tatort“ abgab, sagte der Regisseur nur: „Ich hab noch nie in meinem Leben einen solchen Mist gelesen.“ Meine Kollegen und ich erleben beim Fernsehen häufig eine Geringschätzung unserer Arbeit.

Was ist aus Ihrem „Tatort“-Drehbuch geworden?

Er ist realisiert worden und war der erfolgreichste Fernsehfilm des Jahres mit über zehn Millionen Zuschauern.

Welcher „Tatort“ war es?

„Einmal täglich“ hieß er, ein Bayern-„Tatort“. Zu der Geschichte dieses Films gehört auch, dass die Redaktion sich damals sehr gut verhalten und das Buch gegen die Produktion und den Regisseur verteidigt hat. Die meisten Änderungen des Regisseurs wurden deshalb wieder rückgeändert. Nach gut einem Jahr wurde das Buch fast so realisiert, wie ich es geschrieben hatte.

Sie haben die Quote einmal als Monster bezeichnet.

Die Quoten sind eine der furchtbarsten Erfindungen in der Geschichte des Fernsehens. Ich kann zwar verstehen, dass vor allem die Privaten, die Werbung verkaufen wollen, sich dafür interessieren, wer und wie viele Leute zuschauen. Aber es ist furchtbar, dass die beiden Öffentlich-Rechtlichen, also quasi Bezahlsender, die über Gebühren von den Zuschauern finanziert werden, auf die Regeln der Werbewirtschaft aufspringen. Das Programm ist in der Bandbreite doch nur deshalb so schmal geworden, weil alle auf die Quote gucken.

Woran fehlt es auf dieser Schmalspurbahn?

Manche Genres finden im Fernsehen gar nicht mehr statt, zum Beispiel Polit-Thriller oder Science-Fiction. Dabei gibt es überhaupt gar keinen Grund, nicht auch mal einen Science-Fiction-Film zu realisieren, auch wenn man damit vielleicht nur drei statt fünf Millionen Zuschauer erreicht.

Die Drehbuchautoren des Fernsehens sind...

...die Einzigen in einer Filmproduktion, die aus dem Nichts etwas erschaffen. Wir sitzen vor einem leeren Blatt oder Bildschirm und müssen das erste Wort schreiben und die Geschichte in uns entstehen lassen. Alle anderen in einer Filmproduktion satteln auf etwas auf, arbeiten mit einer Vorlage, der sie etwas hinzufügen. Diese Leistung der Autoren wird trotz einer einsetzenden Gegenbewegung meiner Ansicht nach immer noch viel zu wenig wertgeschätzt. Es ist zum Beispiel durchaus nicht ungewöhnlich, dass die Drehbuchautoren vor der Ausstrahlung ihres Filmes keine DVD bekommen, geschweige denn, dass sie in den Abnahmen der Filme sitzen. Man fürchtet sich vor ihrem Protest, anstatt dass man gespannt ist auf ihren künstlerischen Input. Regisseure würden an dieser Stelle wahrscheinlich anmerken, dass die Zeiten auch für sie schwerer geworden sind, denn auch sie erfahren immer weniger Wertschätzung innerhalb einer Produktion.

Regisseure beklagen sich besonders häufig über den Sendeplatz am Freitag um 20.15 Uhr in der ARD. Gibt es auch Sendeplätze, die von Drehbuchautoren gefürchtet sind?

Ein Drehbuchautor fürchtet per se gar keinen Sendeplatz. Ich selbst scheue mich auch nicht, zum Beispiel für den Sonntagabend im ZDF zu schreiben. Das weiß nur kaum jemand, weil ich es unter Pseudonym mache. Das tue ich nicht, weil ich mich schäme, sondern weil viele Zuschauer wie auch Redakteure nicht damit zurechtkommen, wenn ein Krimi-Autor auch romantische Komödien oder Liebesfilme schreibt. Einer meiner erfolgreichsten Filme, den ich allerdings noch unter meinem wirklichen Namen geschrieben habe, heißt „Tausendmal berührt“ und ist eine richtig satte, saftige Romanze, die äußerst beliebt ist beim Zielpublikum. Das finde ich überhaupt nicht ehrenrührig, im Gegenteil. Solch einen Sendeplatz den Zuschauerbedürfnissen entsprechend zu füllen ist eine echte Herausforderung.

Fürchten Sie nicht die Kritiken bei einem solchen Film?

Kritiken sind relativ. Ich kann Ihnen zu jedem meiner Filme hervorragende Rezensionen zeigen und solche, die den gleichen Film kritisch sehen. Jeder Autor kennt so etwas. Eine Kritik ist nicht die reine Wahrheit, sondern immer eine persönliche Empfindung.

Wie ist denn bei Ihnen die aktuelle Balance zwischen Faszination und Frustration beim Schreiben?

Ich finde das Drehbuchschreiben immer noch hochgradig faszinierend, es ist eines der schönsten Dinge, die es gibt. Aber ich bin bestimmt im gleichen Maße frustriert, weil ich kaum noch Herausforderungen sehe. Ich arbeite seit mehr als zehn Jahren als Drehbuchautor, habe viel geschrieben in dieser Zeit, vor allem Krimis. Alles, was es gibt und was mir angeboten wird, habe ich in ähnlicher Form schon einmal gemacht. Leider gibt es nur noch ganz wenige Inseln, auf denen ein Programm stattfindet, das anders ist. Egal, welchen Sender ich einschalte, ich sehe immer ähnliche Filme. Das finde ich mehr und mehr ermüdend, und ich denke, die Zuschauer werden das bald auch so empfinden.

Ihr FAZ-Artikel hatte den Titel „Wie das Fernsehen Autoren vernichtet“. Kennen Sie tatsächlich Kollegen, die ihre berufliche Existenz verloren haben?

Namen möchte ich jetzt nicht nennen. Aber ich kenne Autoren, die zum Teil preisgekrönte Drehbücher geschrieben haben, deren Werke dann nicht realisiert wurden oder aber derartig verhunzt worden sind, dass sie aus Erschütterung darüber jetzt keine Drehbücher mehr schreiben. Andere sind nach Jahren entnervt ausgestiegen. Dem Fernsehen sind so einige tolle Talente verloren gegangen.

Der Schauspieler Heinrich Schafmeister hat kürzlich sehr eindringlich die Existenzängste vieler seiner Kollegen beschrieben. Gibt es so etwas auch unter Drehbuchautoren?

Es gibt viele Drehbuchautoren, die sehr, sehr wenig verdienen, weil sie es nicht schaffen, ihre Projekte unterzubringen, einfach nur weil sie nicht den bekannten Namen haben oder weil ihre Themen nicht den Mainstream treffen. Ich kenne eine Autorin, deren Bücher, wenn sie denn einen Auftrag bekommt, immer hochgelobt werden, die es aber dennoch nicht schafft, in eine Kontinuität hineinzukommen. Ein Erfolg im Fernsehen zieht nicht automatisch einen Folgeauftrag nach sich. Ganz anders in der Buchbranche: Dort hat man mir gleich nach der Abgabe des Manuskriptes die Verträge für zwei weitere Bücher angeboten.

Kann man denn auch mal ein paar Monate ohne Auftrag überbrücken?

Als Drehbuchautor muss man immer ganz viele verschiedene Eisen im Feuer haben. Projekte werden immer wieder abgesagt aus den verschiedensten Gründen. So besteht natürlich immer die Gefahr, dass man zu viele Aufträge annimmt. Aber dieser Gefahr sind eigentlich die wenigsten Kollegen ausgesetzt, eher dem Gegenteil: Sie arbeiten an einem einzigen Projekt, und wenn es dann abgesagt wird, stehen sie vor dem Nichts.

Wer spuckt auf dem Weg vom Drehbuch zum Film eigentlich so alles in Ihre Suppe?

Bis zur ersten Drehbuchfassung ist die Arbeit eigentlich sehr schön, denn bis dahin kann man ein Buch, zumindest bei einem Einzelstück, so entwickeln, wie man es möchte. Danach geht es allerdings richtig zur Sache. Jet zt wollen alle mitreden, der Produzent und sein Producer, die Redaktion natürlich auch, manchmal sogar noch die Schauspieler, was in der Regel schwierig ist, weil Schauspieler häufig nur ihre Rolle und nicht das große Ganze sehen. Und wenn dann noch der Regisseur dazukommt, wird’s manchmal ganz haarig. Manchmal ist er aber auch der Retter, der das wieder hervorholt, was zuvor in Kompromissen nivelliert wurde.

Hat es Bücher von Ihnen gegeben, die Sie am Ende des Prozesses kaum noch wiedererkannt haben?

Nein, weil ich den Anspruch habe, den Prozess immer in der Hand zu behalten bis zur Drehfassung. Vielleicht ist das ja eine Schwäche von mir, aber ich bin schon die verwegensten Wege mit meinen Auftraggebern mitgegangen und habe versucht, aus den unmöglichsten Anmerkungen immer noch das Beste herauszuholen. Dabei entstehen gelegentlich Filme, die gar nicht schlecht sind, aber ganz anders, als ich ursprünglich gewollt hatte. Der schwierigste Moment für einen Drehbuchautor ist es, wenn er dann zum ersten Mal seinen eigenen Film sieht. Denn der kann nie so sein, wie er in seinem Kopf einmal entstanden ist.

Wie finden Sie das, was aus Ihren Büchern wird?

Ich musste erst lernen, Filme nach Büchern von mir zu beurteilen. Wenn ich einen Film nach dem ersten Sehen „ganz okay“ finde, dann ist er sehr gut geworden. Wenn ich ihn schlecht finde, ist er ganz okay. Erst wenn ich sage „Das ist die Katastrophe“, ist es wirklich ein schlechter Film geworden. Als ich meinen ersten „Tatort“ bei einer Presseaufführung zum ersten Mal gesehen habe, war ich entsetzt und habe sogar daran gedacht, meinen Namen zurückzuziehen. Heute würde ich sagen: Es ist ein ordentlicher Film geworden. Mittlerweile besorge ich mir die DVD aber schon vor der Pressevorführung. Ist immer gut, das mit sich allein auszumachen. Gut auch für die anderen, die die erste ungeschützte Reaktion eines Autors in der Regel nicht verdienen.

Unter manchen Schauspielern ist es offenbar ziemlich chic, regelmäßig auf die schlechten Bücher zu schimpfen.

Ich habe den Eindruck, dass dies in letzter Zeit etwas weniger geworden ist. Der Reflex, auf ein Buch zu schimpfen, wenn etwas nicht läuft oder ein Film nicht gut geworden ist, ist natürlich ein einfacher. Es ist ja auch nicht nachprüfbar, denn niemand kriegt dieses Buch zu sehen. Also spricht man von einem schlechten Buch und zieht sich selbst aus der Verantwortung. Es ist dasselbe, wenn ein Schauspieler sagt, eine Figur sei „auserzählt“. Man kann eine Figur gar nicht auserzählen, man kann nur keine Lust mehr haben, sie zu spielen. Aber das ist natürlich ein einfacher und schneller Satz.

Sind die USA das Schlaraffenland der Drehbuchautoren?

Nein. Es gibt da natürlich einzelne Glanzlichter mit tollen Projekten, aber es gibt auch jede Menge Autoren, denen es noch schlechter geht als den Kollegen in Deutschland. Was allerdings in den USA ganz anders ist und ich hier sehr vermisse, ist die Verantwortung, die dort die Autoren für ihre Arbeit übernehmen können. Wenn ich in den USA eine Idee, eine Vision habe und diese tatsächlich realisiert wird, dann kontrolliere ich als Autor auch die Produktion und habe die Chance, mein Projekt ganz konsequent zu realisieren. Alle erfolgreichen US-Serien, die wir hier kennen, haben so funktioniert. In Deutschland wäre das undenkbar.

Warum?

Mir hat mal ein Redaktionsleiter erklärt, der meinem Wunsch nach mehr Verantwortung im Grunde aufgeschlossen gegenüberstand, er würde sich scheuen, einem Produzenten den Autor als Producer aufzudrängen. Denn in den Produktionen würde die Ansicht herrschen, dass ein Autor nicht in der Lage ist, die Kosten zusammenzuhalten, wenn er seine Vision verfolgt. Das unterstellt man den Autoren, ohne es je ausprobiert zu haben. Das finde ich todtraurig und völlig unsinnig. Bei uns in Deutschland leistet man es sich, vollkommen auf den kreativen Input der Autoren bei der Realisierung ihrer Bücher zu verzichten. Autoren werden in der Regel nur als Auftragsarbeiter und Handwerker betrachtet.

Erklären Sie zum besseren Verständnis doch mal den Unterschied zwischen einem Produzenten und einem Producer.

Der Produzent ist der Besitzer der Produktionsfirma und wirtschaftlich für den Film verantwortlich. Der Producer ist ein Angestellter des Produzenten, er organisiert, ist direkt mit dem Drehbuch beschäftigt, sucht Regisseur und Schauspieler aus, hält den Kontakt zur Redaktion.

Man sieht ja immer wieder Filme, für die der Regisseur auch das Drehbuch geschrieben hat. Gibt es auch den umgekehrten Fall – einen Regie führenden Drehbuchautor?

Selten, aber es gibt sie. Mein Kollege Alexander Adolf hat aus der von mir beschriebenen Frustration heraus jetzt seinen ersten Kinofilm auch als Regisseur realisiert. Im Grunde ist das ein Weg, den sich viele Autoren wünschen. Aber häufig sind Autoren auch deshalb Autoren geworden, weil es Ihnen lieber ist, nicht im Rampenlicht zu stehen. Das ist natürlich vorbei, wenn man auch als Regisseur arbeitet.

Hätten Sie mal Lust auf eine Regiearbeit?

Natürlich. Ich würde mir das auch zutrauen. Das wäre wirklich noch mal ein interessanter neuer Reiz.

Im letzten Jahr haben Sie mit „Zwillingsspiel“ Ihren ersten Thriller veröffentlicht, gerade schreiben Sie am zweiten. Wollen Sie sich etwa aus dem Drehbuchgeschäft zurückziehen?

Nein, das will ich nicht aufgeben, dafür ist die Arbeit trotz aller Widrigkeiten zu schön. Und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Menschen in den Fernsehredaktionen, die ähnliche Visionen haben wie ich und die es dort auch gibt, endlich einmal zum Zug kommen dürfen! Meine Vision ist, dass in ARD oder ZDF ein Sendeplatz pro Woche frei gemacht wird, vielleicht um 22.15 Uhr im ZDF oder um 22.45 Uhr in der ARD. Und da sollten alle Genres zum Zug kommen und die verrücktesten Geschichten erzählt werden, ohne dass die Quote eine Rolle spielt. Ich bin sicher: Wenn die Redakteure und Redakteurinnen in den Sendern mal machen dürften, was sie immer schon wollten und wovon sie träumen – wir würden ein aufregendes Programm haben! Vielleicht nicht unbedingt erfolgreicher, aber auf jeden Fall sehr, sehr spannend.

In Ihrem ersten Roman „Zwillingsspiel“ ging es um einen islamistischen Anschlag in Berlin – wovon handelt der Nachfolger „Feuertaufe“?

„Zwillingsspiel“ stellt mit Kommissar Selig eine hilflose, fast introvertierte Figur in den Mittelpunkt, die im Laufe der Geschichte über sich selbst hinauswachsen muss und dabei Dinge erfährt, die ihr Leben in seinen Grundfesten erschüttern. Sehr dramatisch und auch sehr spannend, sagen zumindest die Leser. „Feuertaufe“ ist quasi die Fortsetzung des ersten Buches. Zwar ein ganz neuer Fall, aber mit denselben Figuren. Es geht um die Frage: Wie würde sich Deutschland entwickeln, wenn es solche Terroranschläge tatsächlich gegeben hätte? Parallel dazu erfährt man mehr über den Kommissar und seine Vergangenheit.

Muss man das erste Buch gelesen haben, um das zweite zu verstehen?

Nicht unbedingt, aber es macht das Lesen interessanter. Ich habe mich jedoch bemüht, dass auch derjenige, der sich das zweite Buch am Bahnhof oder am Flughafen zulegt, ohne das erste zu kennen, gut und spannend unterhalten wird.

Können Sie parallel an einem Roman und einem Drehbuch schreiben?

Sehr schwer, das habe ich im vergangenen Jahr gemerkt. Von einem Thema zum anderen und wieder zurück – das geht nicht. Das in der Zukunft sauber zu trennen und zu organisieren ist meine große Aufgabe.

Wofür würden Sie sich im Zweifelsfall entscheiden?

Ich hoffe, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss. Der Roman ist so wichtig geworden, dass ich ihn nicht mehr aufgeben möchte. Das Drehbuchschreiben fasziniert mich allein schon handwerklich. Und dann gibt es noch eine Familie, die ernährt sein will. Deshalb wird es immer die Mischung aus beidem geben.



 

  Leserkommentare
Schreiben Sie einen Kommentar




Empfehlen auf:  Facebook  Twitter




 Zeitungstitel wählen  Schließen

Wählen Sie Ihren Zeitungstitel: