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Helmut Kohl meldet sich zurück - Jubiläumsjahr nicht ohne den Kanzler der Einheit
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 23. April 2009 00:00 Uhr


Helmut Kohl meldet sich zurück - Jubiläumsjahr nicht ohne den Kanzler der Einheit

Altbundeskanzler Helmut Kohl will bald wieder vor großem Publikum auftreten. Unser Bild zeigt ihn bei der Vorstellung des dritten Bands seiner Lebenserinnerungen im November 2007.Foto: dpa vergrößern

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Helmut Kohl kommt wieder. Noch im Rollstuhl, aber unübersehbar. 60 Jahre Grundgesetz und 20 Jahre Mauerfall - das Jahr der Jubiläen und Erinnerungen wäre kaum vorstellbar ohne den Kanzler der Einheit (1982-1998). Über ein Jahr war er völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden, am 8. Mai wird er erstmals wieder vor großem Publikum auftreten.
In Stuttgart wird Kohl mit dem Hanns-Martin-Schleyer-Preis geehrt, der nach dem von Terroristen ermordeten Arbeitgeberpräsidenten benannt worden ist. Ob er dann eine Rede hält, ist noch offen. '"'Ich bin noch nicht wieder ganz gesund, aber ich bin sehr optimistisch'"', tut der 79-Jährige in einem Interview kund. Auch sein Umfeld berichtet von spürbaren Fortschritten nach einem Sturz im Februar 2008 in seinem Haus in Ludwigshafen. '"'Es ist ein Wunder, dass ich das überlebt habe'"', sagt Kohl. Zum ersten Mal hat er jetzt über diesen Lebenseinschnitt gesprochen.

Bei dem Sturz war der zuvor an beiden Knien Operierte mit dem Kopf aufgeschlagen, so wird es aus seinem Umfeld berichtet. Er habe dabei das Bewusstsein verloren und wurde erst Stunden später gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. In Folge des Schädel-Hirn-Traumas litt Kohl zeitweise unter Sprachverlust, den er erst jetzt weitgehend überwunden hat.

'"'Hochzeitsglocken für den Altkanzler'"' - das war am 18. April 2008 die letzte große Nachricht aus der Abgeschiedenheit, in die das politische Schwergewicht geraten war. Die 35 Jahre jüngere Volkswirtin Maike Richter wurde die zweite Ehefrau des damals 78-Jährigen - Trauung in der Klinik im kleinsten Kreis, sieben Jahre nach dem Tod von Hannelore Kohl.

Es war zuvor still geworden um den CDU-Granden nach der Wahlniederlage 1998 und der Parteispendenaffäre. Er selbst habe von 1993 bis 1998 für die CDU Spenden in Höhe von 1,5 bis 2 Millionen Euro entgegengenommen, bekennt Kohl in einem Fernsehinterview - ohne allerdings die Geldgeber zu nennen, denen er sein Ehrenwort gegeben habe.

Dieser Verstoß gegen das Parteiengesetz stürzt das Denkmal Kohl vom Sockel. Die neue Parteispitze Angela Merkel und Wolfgang Schäuble rücken ab, in einer dramatischen Vorstandssitzung am 18. Januar 2000 sieht sich der einst Gefeierte gezwungen, den Ehrenvorsitz in der CDU abzugeben. Im Juni 2001 wird das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren gegen die Zahlung einer Buße von 300000 Euro gegen Kohl eingestellt.

Der Staub, den der Zusammenbruch des Denkmals Kohl aufwirbelte, legt sich wie Mehltau auf seine historischen Leistungen bei der Wiedervereinigung Deutschlands. Dass Kohl darunter leidet, offenbaren seine 2004 erscheinenden Memoiren. Schon den vom Wähler erzwungen Rückzug hatte der Ludwigshafener mit Tränen vollzogen. Doch der gestürzte Patriarch findet zurück - je mehr die Spendenaffäre in Vergessenheit gerät. '"'Kohl ist Kult'"', titelt die Wochenzeitung '"'Zeit'"' 2005, da hatte ihn die Junge Union schon mit Ovationen empfangen.

Der amtierende JU-Chef Philipp Mißfelder macht keinen Hehl aus seiner Verehrung für Kohl. Und gerade auch die niedersächsischen Christdemokraten halten Kohl die Treue. '"'Ich fände es angemessen, wenn Helmut Kohl dieses oder nächstes Jahr den Friedensnobelpreis bekäme'"', betont CDU-Bundesvize Christian Wulff.

'"'Die Arbeit mit Kohl hat mein politisches Leben geprägt. Nach wie vor habe ich zu ihm engen Kontakt, will ihn auch jetzt besuchen'"', sagt Rudolf Seiters, lange Jahre Minister im Kabinett des Pfälzers. Kohl gelte laut '"'Spiegel'"'-Umfrage als bedeutendster deutscher Politiker der letzten 60 Jahre. '"'Meines Erachtens zu Recht. Hinter seine historische Leistung für Deutschland und Europa tritt die Spendenaffäre völlig zurück'"', befindet der Emsländer.

Selbst Dauer-Spötter Jürgen Trittin bekundet Respekt: '"'Kohl hat das Machtvakuum nach dem Zusammenbruch des DDR-Regimes für seine Gestaltung der Wiedervereinigung genutzt. Möglich wurde diese Vereinigung mit der Zustimmung aller Nachbarn nur, weil er dieses Deutschland unverbrüchlich in Europa einband.'"'

'"'Die Amtszeit Helmut Kohls wirkt aus heutiger Sicht schon seltsam historisch'"', schreibt dagegen der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth in seinem neuen Buch '"'Machtmenschen'"'. '"'Von der Aura der Kraft, die ihn einst umgab, ist nicht mal ein blasser Abglanz erhalten.'"' Die größte Stärke des früheren CDU-Chefs sei das Knüpfen von Netzwerken. Seine Beziehung zur Partei sei fast familienähnlich gewesen. '"'Er lebte von der und für die CDU.'"' Emotionale Distanz sieht er bei der amtierenden Chefin. Angela Merkel fremdele immer wieder mit ihrer Union.  





 
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