·
Digitalabo·
Shop·
Tippspiel
Startseite|
"Wir waren Segelflug-Idealisten": Siegfried Strojek baute trotz Verbots Modellflugzeuge - und wurde deutscher Meister
|
"Wir waren Segelflug-Idealisten": Siegfried Strojek baute trotz Verbots Modellflugzeuge - und wurde deutscher Meister
"Wir waren Segelflug-Idealisten": Siegfried Strojek baute trotz Verbots Modellflugzeuge - und wurde deutscher Meister
Das Verbotene war es sicherlich nicht, was Siegfried Strojek gereizt hat. Denn nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg faszinierte den heute 83-Jährigen die Welt der Modell- und Segelflugzeuge. Damals hatten es die Alliierten untersagt, dass in Deutschland Modellflugzeuge gebaut und ausprobiert werden durften.
Ganz anders nach dem Zweiten Weltkrieg. '"'Die Alliierten hielten das für eine gefährliche Sache'"', erinnert sich Siegfried Strojek, der während des Verbotes heimlich seine Modelle baute. Mit dem Fahrrad transportierte er sie dann zum Flugplatz nach Achmer, ein Auto hatten weder er noch seine Freunde: '"'18 Kilometer waren das, da ging dann auch manches bei zu Bruch.'"' Der Flugzeugfan wohnte damals in der Voigts-Rhetz-Straße und in der Schmidtstraße. Heute lebt er in Oerlinghausen bei Bielefeld.
'"'Es waren widrige Umstände'"', denkt er zurück an die Zeit kurz nach dem Krieg, als die Bundesrepublik aufgebaut wurde. Ärger hat er wegen seines gesetzwidrigen Verhaltens damals nicht bekommen. '"'Das hat Horst Jung alles abgefedert.'"' Der wurde später Vorsitzender des Modellflugzeugclubs Osnabrück, der 1948 aus der Taufe gehoben wurde.
Während des Krieges hatten Siegfried Strojek und seine Modellbau-Freunde das Material vom Staat gestellt bekommen. Nach 1945 hieß es, sich selbst zu organisieren und Material zu beschaffen. Nach einiger Zeit fiel den jungen Männern das leichter, denn sie hatten Helfer gefunden. '"'Wir hatten freundschaftliche Beziehungen zu den Briten'"', plaudert Strojek schmunzelnd. Und die haben ihm manches Material und auch Ersatzteile für seine Modelle geliefert. Motoren zum Beispiel: '"'Die waren besser als unsere.'"'
An die politischen Ereignisse kann sich der betagte Herr kaum mehr erinnern. '"'Wir waren politisch ein bisschen uninteressiert'"', erklärt er. Das gelte auch für die Zeit des Nationalsozialismus. Sein einziges Interesse und das seiner Freunde war der Bau von Modellflugzeugen. '"'Wir waren Segelflug-Idealisten'"', erinnert er sich.
Diese Faszination ist Siegfried Strojek immer noch anzumerken. Lebhaft beschreibt er technische Details, Daten und Ereignisse: '"'1952 war ich deutscher Meister.'"' Es war seine zweite Teilnahme an dem Wettbewerb. So richtig scheint er sich über diesen Triumph nicht zu freuen: '"'Lieber hätte ich ein Jahr früher gewonnen.'"' Denn 1951 wartete eine Zündapp 200 auf den Sieger. Das Motorrad hätte Strojek furchtbar gern gehabt. '"'Aber das hab ich mir selbst vermasselt wegen technischer Probleme mit dem Motor.'"'
Während Modellflieger heute zumeist mit Fernsteuerung fliegen, wurden die Modelle früher mit einem Motor 20 Sekunden lang in die Höhe gebracht. '"'Das ging blitzschnell auf 250, 300 Meter.'"' Dann bewegte sich das Modell ohne Steuerung durch die Lüfte.
Doch auch wenn sich die Technik geändert hat, Siegfried Strojek ist immer noch fasziniert davon, immer noch aktiv dabei. '"'Ich habe einige Modellflugzeuge.'"'
Ziel des Modellbaus, so erzählt Strojek, sei die technische Weiterentwicklung des Flugbaus. Und dazu fällt ihm dann noch ein: '"'In der Luftfahrt-Technik waren wir den Alliierten zehn Jahre überlegen.'"'










