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Darwins Lehre und Gott – für die Kirchen kein Gegensatz
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 07. Februar 2009 00:00 Uhr


Darwins Lehre und Gott – für die Kirchen kein Gegensatz

Hat Charles Darwin mit seinen Erkenntnissen die Bibel klar widerlegt? Gilt damit, dass entweder die Evolutionstheorie stimmt oder aber die zwei Schöpfungsgeschichten aus dem Alten Testament – also die Erzählungen von Adam und Eva sowie von der Entstehung der Welt in genau sechs Tagen? Für die beiden großen Kirchen in Deutschland ist das eine falsche Alternative.

 
Begründer der Evolutionstheorie: Mit seinem Buch „Über die Entstehung der Arten“ revolutionierte Charles Darwin das wissenschaftliche Weltbild. Foto: dpa  Vergrößern

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Darwin selbst hat nicht in Naturwissenschaft sein Studium abgeschlossen, sondern in anglikanischer Theologie. Er wollte Landpfarrer werden, um viel Zeit für seine Beobachtungen in der Natur zu haben.

Aufgrund seiner Erkenntnisse ging Darwin zunehmend zum Glauben auf Distanz. Nicht einverstanden war er mit der theologischen Erklärung von der Entstehung der Welt. Der Jesuit Christian Kummer, ein Biologe und katholischer Theologe, meint, Darwin sei kein schlechter Theologe gewesen. Aber: „Schlecht war die Theologie, die er gelernt hatte, und schlecht war, dass er sie so gut gelernt hatte.“ Nach dieser Theorie hatte Gott die Welt wie eine gewaltige Maschinerie mit der Präzision eines Uhrmachers zusammengesetzt.

Doch die Wissenschaft klebt nicht am Stand des 19. Jahrhunderts – weder in der Physik und Medizin noch in der modernen Theologie. Bibeltexte betrachten Forscher heute mit der historisch-kritischen Methode. Und so geht die Schöpfungstheologie nicht mehr davon aus, dass Gott alle Lebewesen bereits fix und fertig geschaffen hat. Sondern dass die Schöpfung ein ständiger Prozess ist und Gott den Menschen eine besondere Rolle unter den Lebewesen zugedacht hat.

Nur kirchliche Randgruppen wie die Kreationisten verstehen hierzulande die Bibel noch wortwörtlich. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lehnt diese Vorstellung aus theologischen Gründen klar ab und erklärt, dafür gebe es keinen Platz im Religionsunterricht.

In der Studie „Weltentstehung, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube“ warb die EKD 2008 für mehr Sachlichkeit in der Debatte um Naturwissenschaft und Glaube. Den Kreationismus halten die evangelische und die katholische Kirche für fundamentalistisch, und die Vorstellung vom „intelligenten Designer“ beurteilen die EKD-Autoren als pseudowissenschaftlich.

Wogegen die Kirchen sich aber vehement wehren, ist der Anspruch mancher atheistischer Biologen, Glaube und Religion als unwissenschaftlichen Schwachsinn abzutun. Und jedem, der die Bibel ernst nimmt, das Etikett Fundamentalist anzuheften. Bestes Beispiel: Die Behauptungen des Briten Richard Dawkins in seinem Bestseller „Der Gotteswahn“.

Für wissenschaftlichen Fanatismus hält dies der Berliner Philosoph und frühere SPD-Politiker Richard Schröder, der in dem Buch „Abschaffung der Religion?“ Dawkins’ Argumente zurückweist. „Die Frage: Was ist der Mensch, wer sind wir? lässt sich mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht hinreichend beantworten“, betont Schröder. „Das spricht nicht gegen die Naturwissenschaft, wohl aber gegen den Wahn, ihr eine Allerklärungskompetenz zuzuschreiben.“

Und so hält auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn Darwin für einen hervorragenden Naturbeobachter und seine Erklärung von der Entstehung der Arten für genial und plausibel. Nicht Darwins Erkenntnisse lehnt er ab, sondern den Anspruch, mit dem Darwinismus aus den Lehren der Natur, weit über die Biologie hinaus, alles erklären zu können.

Das führe zu Auswüchsen und fatalen Irrwegen: Bis hin zur damals wissenschaftlich (!) begründeten Rassenlehre der Nationalsozialisten und zur Judenvernichtung. Schönborn kritisiert auch, wenn das neoliberale Wirtschaftssystem Darwins Theorie vom „survival of the fittest“ (dem Überleben der Tüchtigsten) ohne Grenzen zum bestimmenden Merkmal in der Marktwirtschaft macht.

Kurz gesagt: Die Aussage „Darwin beweist, dass es Gott nicht gibt“ halten die Kirchen für falsch. Der Jesuit und Biologe Kummer betont in seinem Buch „Der Fall Darwin“, dass sich Evolutionstheorie und Gottesglaube nicht ausschließen, sondern sogar aufeinander angewiesen sind.


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