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„Dann bleiben Sie doch im Bett“

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„Dann bleiben Sie doch im Bett“

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Einsparungen bei Hilfsmitteln wie Rollstühlen können fatale Auswirkungen für die Betroffenen haben. Foto: dpa  Vergrößern

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In eine solche Situation könnten bald mehr Menschen mit Behinderung kommen. Denn nach dem neuen Pflege-Weiterentwicklungsgesetz sind die Krankenkassen gehalten, Hilfsmittel öffentlich auszuschreiben. Der Anbieter mit dem günstigsten Gebot bekommt den Zuschlag und vertreibt landesweit Rollstühle oder Inkontinenzmittel.

Petra Mathiske, Vorsitzende des Behinderten-Forums, macht die möglichen Folgen deutlich: Sie selbst sitzt im Rollstuhl, den sie bisher bei einem örtlichen Fachgeschäft bestellt. Ein Mitarbeiter kommt zu ihr ins Haus, vermisst ihre exakte Größe für Sitzfläche, Rückenlehne und Fußrasten. Es folgen Beratungen zur weiteren Ausstattung.

Schnelle Hilfe

Ist der Rollstuhl fertig, bringt ihn die Firma ins Haus. Gemeinsam wird getestet, ob alles passt. Der Mitarbeiter zeigt, wie der Rollstuhl für den Transport im Auto zusammengefaltet wird, gibt Tipps zur Pflege und für kleinere Reparaturen in Eigenarbeit. Ist ihr Rollstuhl defekt, kommt die Firma sofort ins Haus – manchmal schon mit dem passenden Ersatzteil.

Das sei mit einem Anbieter aus der Stadt X nicht so ohne weiteres möglich, sagt Mathiske. Die eingangs erwähnte Osnabrückerin mit dem Spezialrollstuhl kann ein Lied davon singen: Ein Ersatzteil wird erst dann geliefert, wenn genug Bestellungen aus der Region vorliegen, damit sich die Fahrt lohnt. Bisher konnte die Dame noch den örtlichen Sanitätsfachhandel mit der Reparatur beauftragen. Hat ihre Krankenkasse künftig einen festen Anbieter, ist das nicht mehr möglich – außer, sie zahlt die Reparatur aus eigener Tasche.

Ähnliche Komplikationen gibt es bereits für den Vertrieb von Inkontinenzmitteln. Pflegeheime ordern bisher selbst die Vorlagen für ihre Bewohner und verteilen sie innerhalb des Hauses. Jetzt werden die Windelhosen ins Haus geliefert – von den Vertragspartnern der jeweiligen Krankenkasse des Bewohners. Die Umsetzung des Gesetzes ist gerade erst angelaufen, kann aber zu folgendem Ergebnis führen: Zwölf verschiedene Firmen liefern große Pakete mit Inkontinenzmitteln im Heim ab. Das Lagern, Sortieren und Verteilen bleibt am Pflegepersonal hängen.

Privat sieht die Situation nicht besser aus. Dem Behinderten-Forum ist ein Paar bekannt, dem der Hersteller Vorlagen für ein halbes Jahr in die kleine Wohnung gestellt hat. „Die Leute wissen nicht, wo sie die Sachen lagern sollen“, erzählt Mathiske: Bisher wurde ein Vorrat für 14 Tage geliefert.

Das ist noch nicht alles: Eine andere Betroffene sollte bei ihrer Krankenkasse angeben, wie viel Körperflüssigkeit sie in der Regel ausscheidet. Es gebe nämlich Vorlagen in den Stärken gering, mittel und stark. Sie war sprachlos – nicht nur, weil sie zu diesem Thema keine genauen Angaben machen konnte.

Es stinkt

Nach den ersten Erfahrungen scheinen die billigsten Anbieter von Hilfsmitteln nicht die besten zu sein: Einige der neuen Vorlagen seien weder geruchs- noch auslaufsicher, wurde im Behinderten-Forum berichtet. „Auf gut Deutsch: Es stinkt“, sagte ein Mitglied. Wer in Niedersachsen unter Inkontinenz leidet, hat es schwerer: Während andere Bundesländern eine monatliche Inkontinenz-Pauschale von 43 Euro abschlossen, ist sie in Niedersachsen auf 31 Euro abgesenkt worden.

Was vermutlich zur Folge hat, dass künftig auch die erlaubte Menge an Hilfsmitteln reduziert wird. Anders scheint das Erlebnis eines anderen Forum-Mitgliedes nicht zu erklären. Es ist Stoma-Patient mit einem künstlichen Darmausgang und erhielt den Rat, es könne den Beutel ja „ausstreichen“ und noch mal verwenden.



 

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