·
ePaper·
Shop·
Tippspiel
Operation gelungen: Patient lecker
Das Experiment ist geglückt: Deutschlands erster am Stück gegrillter Bison hat die Odyssee der letzten Tage überlebt und Hunderten Neugierigen am Restaurant Tennessee Mountain in Wersen den Bauch gefüllt. Das Erstaunliche: Er hat auch noch geschmeckt.
Erst einmal sind aber andere am Werk: Fleischermeister Siegmund Lerch, Schmied Ralf Wessel und ihr Assistent Jumbo Schreiner entwerfen einen Schlachtplan, wie sie den über Nacht im Ofen sichtlich geschrumpften Bison – man könnte ihn jetzt Bisohn nennen – auf den rund 15 Zentimeter dicken Spieß bekommen. Bei der Lösung, die ihnen schlussendlich einfiel, muss man froh sein, dass das Schmerzempfinden des Bisons nicht mehr so ausgeprägt war. Details ersparen wir uns deshalb. Nur so viel: Zum Einsatz kommen Säge, Hammer und dicke Spieße. Den Vorschlag von Jumbo, eine Bohrmaschine einzusetzen, verwerfen die Fachleute dann aber doch.
Nach zwischenzeitlichem Atemanhalten wegen eines drohenden Risses am Rücken des Tieres ist der Bison fixiert für die kosmetische Operation. Andreas Möller braucht nur wenige Stiche. Einer rosigen Zukunft als Veterinär dürfte nichts mehr im Wege stehen.
Auf zur nächsten Übung: dem Härtetest für den Grill. Hält „Billy“, so hat ihn Jumbo Schreiner getauft, die Rotationen durch, ohne in seine Einzelteile zu zerfallen? Ja, er nimmt sich buchstäblich zusammen. An Gewicht wird er an diesem Tag trotzdem noch einiges verlieren. Erst einmal allerdings nur durch Schwitzen. Denn nun wirft Ralf Wessel den Grill an, indem er Buchenholzscheite in die vergitterte Stahlkonstruktion wirft.
Als erste Dreher sind Markus Strickmann und Andreas Brunn pünktlich um 12 Uhr zugegen. „Keine drei Sekunden“ habe es gedauert, bis die beiden Schlosser sich entschlossen haben, den Freitag frei zu nehmen und beim Bisongrillen dabeizusein. Auch, weil es für eine gute Sache ist, wie sie sagen.
Die gute Sache repräsentieren vor Ort Marianne Friedrich und ihre Helfer. Friedrich ist die Leiterin der Osnabrücker Tafel, für die der Erlös der Aktion gedacht ist. Eine willkommene Idee, mit der Tennessee-Wirt Michael Kreienbrink auf sie zukam. „Ein kleiner Verein wie wir braucht immer Geld. Wir sind auf Spenden angewiesen.“ Doch von dem Tag erhofft sie sich nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch helfende Hände. Drei große Informationstafeln und viele Flyer stehen bereit, um Interessierte für eine ehrenamtliche Mithilfe zu gewinnen. „Wir brauchen vor allem Männer, die anpacken können.“
So wie unsere Griller. Nach vier Stunden und einem zwischenzeitlichen Regenguss misst Fleischer Siegmund Lerch bei „Billy“ Fieber. 60 Grad. Das reicht, beschließt Lerch, setzt zuerst die Beheizung ab und rund eine halbe Stunde später das Messer an. Der ersten Bissen gebührt dem wie immer hungrigen Jumbo. „Lecker“, sagt er, und nach dem, was man an diesem Tag an gestellten Szenen gesehen hat, glaubt man ihm kein Wort. Bis die eigene Geschmacksprobe beweist: Operation gelungen, Patient lecker.







