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Auf der Suche nach dem größten Käfer Europas

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Auf der Suche nach dem größten Käfer Europas

Detlef und Marion Neuhaus sind Melder, wie sie im Buche stehen. Als sie davon hörten, das Land Niedersachsen suche Hinweise auf den seltenen Hirschkäfer, gaben sie sofort eine CD mit Fotos und kleinen Filmchen in die Post. Ihre Beobachtungen stammten aus dem eigenen Garten.

 
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Die Geweihe der Hirschkäfer sind eigentlich vergrößerte Oberkiefer. Stolz auf ihre Hirschkäfer: Detlef und Marion Neuhaus.

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Adressat der CD war Reinhard Altmüller. Der Biologe in Diensten des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sammelt in Hannover landesweit Meldungen über den vom Aussterben bedrohten größten Käfer Europas. Sein Problem: Das bis zu 7,5 Zentimeter lange Tier ist zwar unübersehbar, vor allem die Männchen mit ihren mächtigen Geweihen. „Aber die Tiere fliegen meistens in der Abenddämmerung und auch fast nur zwischen Ende Mai und Ende Juli“, sagt Altmüller.

Das führe dazu, dass der insgesamt versteckt lebende Käfer allzu oft übersehen werde. Zudem gebe es seit Jahrzehnten kaum noch gezielte Bestandsuntersuchungen – sie sind zu kompliziert und zu teuer. Ein Hauptgrund für die wenigen bekannten Vorkommen ist aber die Seltenheit des Käfers selbst. Er wird in Kategorie 2 der Roten Liste geführt.

Ein paar neue Daten haben nun also Dr. Detlef und Marion Neuhaus geliefert. Sie betreiben in Klein Berßen eine Hausarztpraxis und haben vor 16 Jahren in einem Baugebiet ein Wohnhaus errichtet. Seit inzwischen 14 Jahren beobachten sie Jahr für Jahr im Frühsommer „ihre“ Hirschkäfer.

Die Insekten profitieren offenbar davon, dass in den Gärten der Häuser alte Eichen stehen blieben, eine davon auch im Garten der Familie Neuhaus. „Jedenfalls sehen wir regelmäßig, wie die männlichen Käfer an der Eiche nach oben klettern, weil in der Krone ein Weibchen auf sie wartet“, sagt Marion Neuhaus. Oft versperre dann ein Männchen dem anderen den Weg, und es komme zum Kampf, an dessen Ende meistens eines der Tiere ein paar Meter tief zu Boden falle. „Der Sturz macht ihnen nichts aus. Sie versuchen sofort wieder, den Baum hochzukrabbeln. Aber bis sie oben angekommen sind, hat der Rivale das Weibchen schon gefunden.“

„Das Verhalten ist Hirschkäfer-typisch“, sagt Biologe Altmüller. Die Tiere benötigten vor allem Eichen mit kleinen Wunden, aus denen Baumsaft fließe. Dieser bilde die Nahrungsgrundlage für alle erwachsenen Käfer. An solchen Bäumen träfen sich die Tiere gern zum Rendezvous, zum Fressen und zum Kämpfen. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier dann unterirdisch an die Wurzeln abgestorbener und bereits durch bestimmte Pilze angerotteter Baumstümpfe. Am liebsten nehmen sie Eichen, aber auch die Überreste anderer Laubbäume sind manchmal genehm. Unterirdisch leben die Larven des Hirschkäfers dann fünf bis sieben Jahre – oberirdisch sind den verpuppten Tieren nur ein paar Wochen beschieden.

„Die Lebensraumansprüche sind also recht speziell“, sagt Altmüller. Dies erkläre, warum sie immer seltener geworden seien. Vor allem Totholz gebe es immer weniger. Auch besonnte, frei stehende Eichen, die die Käfer bevorzugten, seien rar.

Dass es in Klein Berßen noch Hirschkäfer gibt, war dem NLWKN bisher unbekannt. Auf der Verbreitungskarte war diese Gegend stets ein weißer Fleck, was sich nun dank der Meldung der Familie Neuhaus ändert.

Insgesamt gibt es im Emsland landesweit gesehen einen Verbreitungsschwerpunkt, und zwar im Süden. Claus Alfes, Biologielehrer und ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter der Stadt Lingen, beobachtet seit mehr als drei Jahrzehnten gezielt den Hirschkäferbestand und meldet die Daten regelmäßig an das Land. „Vor allem im Biener Busch, bei Wachendorf und im Stoverner Wald gibt es alte Vorkommen“, berichtet Alfes, der 20 Jahre lang die BUND-Kreisgruppe Emsland geleitet hat. Auch in der Grafschaft Bentheim und den Dammer Bergen seien Bestände bekannt, wenngleich sie wegen der langen Entwicklungsdauer der Tiere sehr schwankten.

Alfes erinnert sich an viele Begegnungen mit den im Flug wie ein langsam fliegender Hubschrauber brummenden Käfern. „Einmal habe ich fünf zappelnde Vorderteile auf dem Boden entdeckt. Ein Specht hatte die Käfer kurz vorher geschnappt und die Unterteile gefressen.“

 

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