·
ePaper·
Shop·
TippspielIraker sangen mit Gunter Gabriel
Gunter Gabriel hat in seinem Leben als deutscher Countrysänger („Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld“) schon viele Höhen und Tiefen durchlebt. Im Irak war er jetzt der Star eines bislang einmaligen Abends in dem von Gewalt und Terror erschütterten Land.
Die 22-jährige Sängerin und Moderatorin präsentierte die vierstündige Show im neu gebauten Convention Center in der nordirakischen Kurdenmetropole Erbil auf äußerst charmante Weise und dolmetschte, wenn Gabriel etwa den Terror verurteilte. Das Medieninteresse war enorm. Das irakisch-kurdische Fernsehen übertrug das Konzert mit vier Bands aus dem Irak live. Den ersten Auftritt hatte Adel Al-Mokhtar, ein Popsänger aus Bagdad, der arabische Schmusesongs mehr flirtet als singt. Danach legte Gabriel mit seiner vierköpfigen Band los. Es dauerte drei Lieder, dann war das Eis zwischen ihm und dem Publikum gebrochen.
Als Gabriel und seine Band Hits von der Country-Sänger-Legende Johnny Cash spielten, hielt es viele Iraker, Kurden und US-Soldaten nicht mehr länger auf ihren Stühlen. Sie sangen mit, einige tanzten, andere klatschten begeistert. „Er sei geehrt, hier beim ersten Friedenskonzert im Irak spielen zu dürfen“, teilte Gabriel dem Publikum mit. „Und ich wünsche mir, eines Tages auf dem größten Platz in Bagdad unter freiem Himmel spielen zu können.“
Dann berichtete er kurz von seiner Begegnung mit jungen Terroropfern aus dem Irak in einem Krankenhaus bei Osnabrück. Dort wurden dank der humanitären Initiative „Luftbrücke Irak“ in den vergangenen acht Monaten zehn Kinder und Jugendliche behandelt. „Wenn man das sieht, kann man nicht auf dem Sofa liegen bleiben“, so Gabriel.
Die Initiative hatte das erste Friedenskonzert in Erbil maßgeblich gemeinsam mit dem Restaurantmanager Gunter Völker organisiert, der in der kurdischen Region den „Deutschen Hof“ betreibt. Private Sponsoren bezahlten Flüge und Hotels. Mit dem Erlös aus Spenden und dem Verkauf der Konzertkarten können rund zehn weitere Kinder behandelt werden. Eine US-Firma überreichte während der Show allein ein Scheck in Höhe von 10000 US-Dollar.
„Das war herzergreifend“, sagte Gabriels Gitarrist Peter Rehak (60), als er sich nach dem Auftritt in der VIP-Lounge ein Bier gönnte. „Ich war ja im Vorfeld skeptisch, aber man spürt richtig, wie vor allem die jungen Menschen die Veränderung wollen.“
Zwischen den Auftritten der arabischen und kurdischen Gruppen lud Dashne Morad stets Gäste auf die Bühne, darunter den Vize-Parlamentspräsidenten und eine irakische Politikerin aus der Schiiten-Hochburg Basra im Süden des Irak, die sich für Frauenrechte besonders stark engagiert. Aber auch ein Junge, der bei einem Terroranschlag seine beiden Unterschenkel verloren hat, schilderte sein Schicksal. Er wird dank des Erlöses aus dem Benefizkonzert in den nächsten Tagen nach Osnabrück ausgeflogen, wo er Prothesen bekommt, mit denen er wieder laufen lernen soll.
Von der Anwesenheit des deutschen Sängers Gabriel bekam schließlich sogar der irakische Präsident Dschalal Talabani Wind. Er lud den Sänger am gestrigen Abend zu einem spontanen Treffen ein.






