·
Digitalabo·
Shop·
TippspielEin bewegtes Leben, mit Pathos verfilmt
Der Verleger; Dienstag und Mittwoch jeweils 20.15 Uhr; ARD
Ein Leben wie geschaffen fürs Film-Drehbuch: Axel Cäsar Springer war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der erfolg-reiche Unternehmer baute den größten Zeitungskonzern Europas auf und war immer auch Reizfigur. An seinen politischen Idealen schieden sich die Geister: Für die Studentenbewegung war er das Feinbild Nummer eins, das enteignet ge-hörte. Für andere verkörperte er wie kein zweiter den Wunsch nach Wiederverei-nigung und Aussöhnung mit den Juden. Auch sein buntes Privatleben mit fünf Ehefrauen sorgte für Gesprächsstoff; sein Sohn, unter dem Pseudonym Sven Si-mon erfolgreicher Pressefotograf, nahm sich 1980 das Leben - zerbrochen auch an dem übermächtigen Vater.
Auch die übrigen Rollen dieses Films sind gut, teilweise glänzend besetzt: Vor allem Jürgen Hentsch brilliert in der Rolle des Journalisten und Springer-Weggefährten Hans Zehrer. Arndt Schwering-Sohnrey ist eine Entdeckung als Axel junior, dessen Sensibilität und Selbstzweifel er glänzend verkörpert. Mit Susanna Simon, Sylvester Groth und Claude-Oliver Rudolph sind weitere wunderbare Schauspieler dabei.
Der Film, sagte NDR-Programmdirektor Jürgen Kellermeier bei der Vorab-Präsentation in Hamburg, sei ,,nicht zu messen mit Massstäben der Geschichtsschreibung, aber auch keine reine Fiktion". Genau das ist das Problem: Penibel wird auf der einen Seite versucht, das Deutschland der Nachkriegsjahre zu rekonstruieren, und das gelingt auch. Was jedoch schnell unangenehm auffällt, ist das Pathos, mit dem vor allem die Hauptfigur ausgestattet ist. Gezeigt wird ein Mann, der sich immer ausschließlich von seinen Idealen leiten ließ, dessen ganzes Streben von hehren Zielen geleitet war, den Menschen in der Nachkriegszeit wieder Zuversicht zu geben, Deutschland mit Israel zu versöhnen und das Vaterland wiederzuvereinen. Dass hinter der Karriere Springers zweifellos auch ein knallharter Geschäftsmann steckte, der dem persönlichen Erfolg auch im Umgang mit seinen Mitmenschen immer den Vorrang gab, wird indes weniger deutlich.
Völlig überflüssig sind die ,,Musical"-gleichen Szenen, in denen der mächtigste Medien-Mann Deutschlands plötzlich anfängt, Tanzmusik-Schlager zu singen. Solche Momente sind nichts als Sand im Getriebe der Film-Dramaturgie, die ansonsten über drei Stunden hält. Geradezu peinlich aber ist eine Szene, in der Springer - mit der Geliebten im Bett - nach einem Namen für sein neue Boulevard-Zeitung sucht. Er probiert einige aus, verwirft sie und wie er auf den Titel ,,Bild" kommt, gleicht im Film einer Art Vision. Zu ,,Also sprach Zarathustra" verfließt der Bildschirm im knalligen ,,Bild"-Rot und das Logo von Deutschlands nach wie vor meistgelesenem Blatt erscheint. Das ist an Kitsch kaum zu überbieten und wirkt vollkommen überzogen.
14 Millionen Mark hat das Projekt nach Branchenschätzungen gekostet; mit der genauen Summe hielt NDR-Intendant Jobst Plog bei der Präsentation in geradezu brüsker und unverständlicher Manier hinterm Berg. ,,Mehrfache Tatort-Kosten", hieß es hierzu nur lapidar. Viele Namen wurden für das Projekt geändert; aus Furcht vor Rechtsstreitigkeiten. Springers Witwe Friede war gleich zu Beginn von Produzentin Regina Ziegler über das Projekt informiert worden. ,,Begeistert war sie nicht," sagt sie.
Der Zweiteiler soll den Auftakt einer Reihe über große Deutsche bilden, die ebenfalls von Ziegler produziert werden. Als nächstes wird im nächsten Jahr mit den Dreharbeiten der Biografie Willy Brandts begonnen - mit Michael Mendl in der Hauptrolle.




