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Medizinskandal schockt Holländer

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Medizinskandal schockt Holländer

Ein Medizinskandal schockt die Holländer. Mindestens 24 Patienten, die freiwillig an einem Experiment teilgenommen hatten, starben zwischen 2004 und 2007 in niederländischen Krankenhäusern. Die Probanden litten an einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pancreas) und wurden im Rahmen einer medizinischen Studie mit gesundheitsfördernden, probiotischen Kulturen, wie sie in kleinen Mengen auch im Joghurt vorkommen, behandelt.

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Das Experiment war eine sogenannte '"'Double-Blind-Studie'"', an der 296 Patienten teilnahmen. Ein Teil erhielt Placebos, andere die Probiotica. Die Ärzte wussten nicht, welche Patienten die Milchsäure-Medikation erhielten und welche die wirkungslosen Scheinmedikamente. Gleiches galt für die Patienten. Als in einer Probiotica-Gruppen die Sterbequote auf 16 Prozent stieg, wurden die Ärzte stutzig. Sofort ließen sie die Versuchsreihe stoppen. Nach Auswertung aller Daten gelangten die Forscher zu der Gewissheit, dass die Verabreichung der Probiotica den Tod der 24 Patienten verursacht hatte. In der Placebo-Gruppe starben neun Patienten (6 Prozent).

'"'Das Ergebnis ist ein schwerer Schlag für uns. Wir sind geschockt und niedergeschlagen'"', gab Professor Hein Gooszen von der Universitätsklinik Utrecht zu, die in dem Experiment federführend war. An der Studie nahmen insgesamt 15 Krankenhäuser teil, darunter alle Universitätskliniken des Landes. Laut Gooszen leiden in den Niederlanden etwa 3000 Menschen an der relativ seltenen Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Inzwischen wurden auch die Angehörigen der Patienten, die das Experiment nicht überlebt haben, informiert. Viele von ihnen müssen seither psychologisch betreut werden. Einige deuteten bereits an, dass sie Schadenersatz und Schmerzensgeldklagen stellen werden.

'"'Probiotica können gefährlich sein'"', warnt der Mediziner Hans Evers, Vorsitzender der '"'Centralen Commissie Mensengebonden Onderzoek'"' (CCMO), also der Kommission, die Versuche mit Menschen in Krankenhäusern zulässt und koordiniert. '"'Als wir das Experiment genehmigten, dachten wir, dass es ein Versuch mit geringem Risikofaktor ist. Aber das Gegenteil hat sich herausgestellt.

Rob Buizer, Vorsitzender der Bauchspeicheldrüsen-Patientenvereinigung, ist indes fieberhaft bemüht, die Mitglieder zu beruhigen. '"'Viele von uns, auch ich, nehmen Probiotica'"', sagt er. ,,Mir haben sie bisher geholfen.'"' Beruhigt werden müssen auch die Konsumenten von Joghurt und Jogi-Drinks. Die darin enthaltenen bakteriellen Milchsäuren seien in so geringer Konsistenz vorhanden, dass keine Gefahr bestehe, beteuern Ärzte und Hersteller.



 

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