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Pastor flieht vor rassistischer Entgleisung
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 21. November 2007 00:00 Uhr


Pastor flieht vor rassistischer Entgleisung

Die katholische Kirchengemeinde St. Josef in Hollage kommt nicht zur Ruhe. Nachdem der langjährige Pfarrer Reinhard Potts Ende Juli völlig überraschend auf eigenen Wunsch den priesterlichen Dienst quittierte, sorgt jetzt der Rückzug des Vertreters Dr. Stephen Egwim für Wirbel in der Gemeinde. Der Nigerianer sei immer wieder beleidigt und bedroht worden, lautet eine Begründung.

 
Die Stimmung in der Kirchengemeinde St. Josef in Hollage ist derzeit alles andere als himmelblau und wolkenlos zu nennen. Pfarrer Stephen Egwim hat die Gemeinde fluchtartig verlassen.  Vergrößern

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Der Rückzug des Geistlichen, der bis Ende des Jahres als Vertretung in Hollage vorgesehen war, muss Hals über Kopf über die Bühne gegangen sein. Am vergangenen Wochenende stand er schon nicht mehr auf der Kanzel - Generalvikar Theo Paul informierte die Gemeinde, dass Stephen Egwim sein Amt auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung niedergelegt habe.

In der St.-Alexander-Gemeinde '"'nebenan'"' in Wallenhorst wies Pfarrer Dr. Thomas Nonte in seiner Predigt mit durchaus kritischen Tönen ebenfalls auf die Entwicklungen in Hollage hin. '"'Das musste ich sagen'"', sagt Nonte anschließend auch im Gespräch mit unserer Zeitung. '"'Stephen Egwim ist ein sehr geschätzter Kollege. Er hat sich verletzt gefühlt. Deswegen ist auch mir das Herz übergegangen.'"' Nach den Ausführungen von Nonte hat Egwim anonyme Drohbriefe erhalten. Darin sei er auch als '"'Affe aus Afrika'"' beschimpft worden. Wie viele Schreiben dieser Art hat es gegeben? Nonte: '"'Das weiß ich nicht. Aber das ist auch egal. Ein Treffer reicht doch. Damit ist die Seele von Stephen Egwim getroffen.'"' So getroffen, '"'dass er jetzt so schnell wie möglich nach Hause will'"'. Für eine Stellungnahme war der Mann aus Nigeria gestern nicht erreichbar.

Nonte geht davon aus, dass Generalvikar Paul '"'die Sache jetzt sehr intensiv prüft'"'. Ulrich Waschki, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Generalvikariat, bestätigt die beabsichtigte intensive Prüfung: '"'Wir arbeiten jetzt das auf, was genau passiert ist.'"' Die erwähnten persönlichen Beleidigungen seien dabei ein Thema, '"'Missverständnisse auf beiden Seiten'"' ein weiterer Aspekt. Diese Missverständnisse hätten mit Sprachproblemen, aber auch allein mit der provisorischen Situation zu tun. Die Berufung Egwims sei ja nur auf wenige Monate angelegt gewesen. Eine Vertrauensbasis sehe anders aus. '"'Das sind letztlich Dinge, die wir so aber nicht stehenlassen können'"', sagt Waschki. Erst recht nicht im Hinblick auf die bereits vor Wochen verkündete Personalie, wonach ab Januar 2008 Pater Jose Kuzhichalil neuer Pfarrer in der Kirchengemeinde St. Josef werden soll. Ein Priester, der dem indischen Karmeliter-Orden angehört - und ähnlich wie Egwim eine andere Hautfarbe als die meisten Hollager hat. Kuzhichalil werde allerdings in diesen Tagen schon vor Ort sein, um an der aktiven Aufarbeitung der Vorkommnisse in der Gemeinde mitzuwirken.

Nicht zu verzeihen
Kommentar von Stefan Alberti
Egal, ob letztlich noch andere Gründe den Ausschlag für die Flucht von Stephen Egwim gegeben haben – eine Beleidigung als „Affe aus Afrika“ ist nicht zu verzeihen. Sie ist beschämend und wirft ein schlechtes Licht auf die Kirchengemeinde St. Josef in Hollage.

Deswegen ist es gut und richtig, dass Generalvikar Theo Paul offensiv mit dieser Entgleisung umgeht und intensiv nach den schwarzen Schafen fahndet. Denn eines dürfte im vorliegenden Fall so sicher wie das Amen in der Kirche sein: Die Beleidigungen werden einem kleinen und überschaubaren Kreis zuzuordnen sein.

Empörte und fassungslose Beobachter der aktuellen Entwicklungen bilden gewiss die Mehrheit. Gemeinsam mit Theo Paul müssen die Dummschwätzer in der Kirchengemeinde ausfindig gemacht und schnell zur Rede gestellt werden.

Denn schon ab Januar soll der Inder Jose Kuzhichalil seine Arbeit als Priester in Hollage aufnehmen. Ein Mann, dem wir nur wünschen können, dass nach dem unruhigen Jahr 2007 mit ihm endlich wieder die ersehnte Ruhe und Kontinuität in der Kirchengemeinde St. Josef einkehrt.

 

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