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Während der Zeremonie eine Prise Schnupftabak

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Während der Zeremonie eine Prise Schnupftabak

Von Rolf Schneider

Als am 18. Januar 1701 Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg sich selbst in Königsberg zum König in Preußen krönte, hatte sich sein Lebenstraum erfüllt.

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Komplizierte und langwierige Verhandlungen waren vorausgegangen, bis Kaiser und Reichstände mit der von Friedrich energisch betriebenen Nobilitierung einverstanden waren. Entscheidend aber war letztlich, dass der Hohenzoller auch Herrscher des Herzogtums Preußen war, das nicht zum Reichsverband gehörte. König von Brandenburg – das wäre undenkbar gewesen. So aber konnte Friedrich König in Preußen werden, das war der Ausweg! „In" und nicht „von" Preußen, weil es auch einen polnischen Landesteil dieses Namens gab (das spätere Westpreußen) und man die Adelsrepublik Polen nicht irritieren wollte.

Als der Krönungstraktat endlich von Leopold I. unterzeichnet worden war – Friedrich hatte kräftig „nachgeholfen", dem Kaiser Soldaten für dessen Kriege zur Verfügung gestellt und den wichtigsten Ministern in Wien „die Hand gesalbt", ihnen hohe Bestechungsgelder gezahlt – da war in Brandenburg schon alles für die Reise des Kurfürstenpaares und eines riesigen Hofstaates von Berlin in das 600 km entfernte Ostpreußen vorbereitet. Am 17. Dezember wurde bei klirrender Kälte aufgebrochen. An die 1800 Wagen umfasste der stattliche Zug, zwölf Tage sollte die Reise über gefrorene und holprige Straßen dauern: vorsorglich waren entlang der festgelegten Route 30 000 Pferde zum Wechsel bereitgestellt. Den Wagen der Kurfürsten kutschierte Markgraf Albrecht persönlich, ein Halbbruder des Landesherrn.

Trotz der Kälte hatte die Gesellschaft barocken Hofstaat angelegt: die Damen reisten in kostbaren, dekolletierten Samtkleidern und -roben, angetan mit reichem Schmuck, die Herren mit Perücke, gestricktem Schoßrock und bis an die Knie reichenden Seidenstrümpfen. Die Dörfer und Städte am Wege waren festlich geschmückt, sogar die Straßen hier und dort mit Tüchern ausgelegt. Gefahren wurde nur vormittags, anschließend erholte sich die Gesellschaft von den Strapazen, abends verschaffte man sich Kurzweil auf Banketten und Bällen in den erreichten Ortschaften. Am 29. Dezember wurde Königsbeg erreicht, und schon wenige Tage später begannen die Vorfeste, deren Prunk und Gepränge die sonst eher nüchternen Ostpreußen in einen wahren Taumel versetzten. Die Krönung selbst war auf Dienstag, den 18. Januar, festgesetzt, der genaue Ablauf sorgfältig und von langer Hand geplant. Drei Tage zuvor erschienen zum Auftakt des offiziellen Teils der Festlichkeiten unter großem Pomp Herolde auf den Plätzen der Stadt und proklamierten die Erhebung des souveränen Herzogtums Preußen zum Königreich.

Den Krönungsakt nahm Friedrich selbst vor. Gekleidet in einen dunkelroten, goldbestickten Rock mit diamantenen Knöpfen – sie allein hatten ein fürstliches Vermögen gekostet – über dem er einen hellroten, hermelinbesetzten Mantel trug, setzte er „in dem Audienzsaal . . . Sich die Krone mit Ihren eigenen Händen auf das Haupt und nahm auch selbst das königliche Zepter zu sich", wie sein Oberzeremonienmeister von Besser schrieb. Dann begab sich Friedrich in die Gemächer seiner Gemahlin, die vor ihm in ihrem prächtigen Königsornat „mit großen diamantenen Knöfen das Stück zu drey tausend Ducaten" niederkniete, und setzte ihr wiederum die Krone auf das Haupt. Ihr Krönungsmantel war aus Purpursamt „mit gestrickten goldenen Kronen und Adlern"; der Diamantschmuck hatte den Gegenwert einer Tonne Gold. Allein für die Krone der Königin soll der Juwelenliebhaber Friedrich 300 000 Taler an seinen Hoffaktor bezahlt haben. Auf die Krönung folgte die Salbung in der reformierten Schlosskirche. Das Königspaar kniete vor dem Altar nieder; die Handlung nahmen die reformierten und lutherischen Landesbischöfe Ursinus und Sanden vor. Sophie Charlotte, die geistvolle und aufklärerisch-kritische Leibniz-Jüngerin, schätzte im Gegensatz zu Friedrich Prunk und Pomp nicht besonders und hielt auch nicht viel vom Königstitel. So ließ sie es an der gebührenden Andacht fehlen und nahm, unbeeindruckt vom königlichen Tadel, während der von ihr als langweilig empfundenen Zeremonie in aller Ruhe eine Prise Schnupftabak, um sich „eine angenehme Distraktion zu machen".

Königspaar, Hofstaat und geladene Gäste tafelten dann im Festsaal. Die einfachen Leute durften sich im Schlosshof an einem gebratenen Ochsen und 4000 Liter Wein laben, die aus zwei Adlerschnäbeln flossen; außerdem ließ Friedrich I., wie er sich nun nannte, 8000 eigens zur Krönung geprägte Taler unter die Menge werfen. Auf allen Plätzen waren Freudenfeuer entzündet, der Abendhimmel erstrahlte von zahllosen Leuchtraketen, der Lärm der Trommeln lag über der Stadt. Das Volk geriet in einen Begeisterungstaumel für König und Königreich. Und eben das war gewollt. Zahlreiche Missetäter wurden amnestiert, so dass sich die Gefängnisse leerten; wer aber den König noch mit dem gewohnten „Durchlaucht" statt des neuen „Majestät" anredete, musste einen Dukaten Strafe zahlen.

Am 6. Mai traf der Zug wieder in Berlin ein, wo das Königspaar im Triumph empfangen wurde. Sechs riesige Ehrentore waren errichtet worden, alle Glocken der Stadt läuteten, aus 200 Kanonen donnerte Salut. Ein Feuerwerk zauberte Jasons Heimkehr mit dem Goldenen Vlies an den Himmel, symbolisch für Friedrich und die Königskrone. Zur Erinnerung an das denkwürdige Ereignis erhielt die Georgenstraße den Namen Königsstraße, der Festungsgraben wurde in Königsgraben unbenannt. Im mittlerweile umgebauten Stadtschloss folgten weitere Festivitäten, bis schließlich nach einem halben Jahr die Krönungsfeiern im Königinnen-Schloss Lietzenburg mit einem opulenten Festbankett ausklangen.

Das Spektakel hatte Unsummen verschlungen; die Schätzungen liegen im Mittel bei für diese Zeit fast unvorstellbaren 6 Millionen Talern. Zur Deckung der Kosten wurden Spenden eingefordert, einschließlich einer speziellen Krönungssteuer. Aber das alles und auch die kaiserlichen Subsidien reichten bei weitem nicht aus; das ganze Land hat während der restlichen Regierungszeit Friedrichs schwer an der Bürde getragen. Trotzdem hatte die Königskrönung auch einen realen Wert, wenn auch die Meinungen darüber bei Zeitgenossen und Nachgeborenen weit auseinandergehen. Die Folgen des königlichen Ranges begannen sich schon unter Friedrich auszuwirken: im Konzert der Mächte gewann Preußen deutlich an Gewicht, und im Innenbereich rückten die einzelnen, einander bisher fremden Landesteile enger zusammen und wurden zu einer Einheit.


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