11.10.2010, 15:21 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Kinder und Eltern stärken der Familie Schulte-Übermühlen vom Hof Junkern-Beel den Rücken „Sicherheit stand und steht an oberster Stelle“

Sie werden weitermachen: Klara Schulte -Übermühlen (Dritte von links) mit Hanjo und Heinrich Schulte-Übermühlen sowie Britta Held und Ralf Duveneck. Foto: Aloys SchulteSie werden weitermachen: Klara Schulte -Übermühlen (Dritte von links) mit Hanjo und Heinrich Schulte-Übermühlen sowie Britta Held und Ralf Duveneck. Foto: Aloys Schulte

ys Lathen/Hilter. Auf dem Ferienhof Junkern-Beel im Lathener Ortsteil Hilter geht die Saison langsam zu Ende. Für Geschäftsführerin Klara Schulte-Übermühlen wird das Jahr 2010 allerdings in unguter Erinnerung bleiben und ganz besonders der 26. August. An jenem Donnerstag waren bei einem Fackelritt am späten Abend plötzlich 100 Ponys durchgegangen, 44 Mädchen wurden bei dem Zwischenfall verletzt. Zwar sind inzwischen alle wieder wohlauf, aber der Medienrummel hat der Familie, die den Hof seit 40 Jahren betreibt, doch ziemlich zugesetzt. Aufgeben ist aber auf dem Ferienhof kein Thema.

„Ein großer Trost waren die vielen aufmunternden Zuschriften per Post und per E-Mail, die von den Kindern und den Eltern bei uns eingegangen sind“, sagt Klara Schülte-Übermühlen. Sie zeigt auf den Stapel der Ausdrucke, der Tenor in den Schreiben ist eindeutig: Alle wollen trotz der Vorkommnisse wiederkommen. Vielfach wird darauf hingewiesen, dass beim Reiten – wie bei jedem Sport– immer etwas passieren könne. Zudem seien Pferde nun einmal Fluchttiere und deshalb ein nicht völlig auszuschaltender „Risikofaktor“.

Das weiß auch „Treckführer“ Ralf Duveneck. Er war an dem Abend mit den Kindern und den Ponys unterwegs auf der rund 800 Meter langen Strecke zwischen der sogenannten Westernstadt und dem Ponyhof. „Ich war vorne im Zug und habe nicht gesehen, was genau passiert ist. Plötzlich herrschte großes Durcheinander.“ Duveneck gehört zu den sechs fest anstellten Mitarbeitern, die mit den acht Mitgliedern der Familie Schulte-Übermühlen auf dem Hof beschäftigt sind. Der aus Bremen stammende gelernte Maschinenschlosser war 1980 als Zwölfjähriger zum ersten Mal auf dem Ferienhof. Damals waren Jungs hier noch zugelassen. Seit vielen Jahren sind die Mädels auf Junkern-Beel allerdings unter sich.

Die jungen Gäste bauen während ihres Aufenthaltes eine enge Beziehung zu den Tieren auf. Jedes Mädchen bekommt eines der rund 200 Ponys auf dem Hof zugeteilt und kümmert sich um den Vierbeiner. Marina Schulte-Übermühlen: „Zwei der verletzten Mädchen haben am Montag nach dem Unglück aus dem Krankenhaus angerufen. Sie fragten nach, ob sie sich vor der Abreise noch von ihren Ponys verabschieden könnten.“ Das zeige, wie sehr die Kinder und Jugendlichen an den Tieren hingen.

Kein Tier eingeschläfert

Hanjo Schulte-Übermühlen, seit Jahrzehnten eine Vaterfigur für die Mädchen, hält es vor diesem Hintergrund auch für angebracht, einmal mit den wilden Gerüchten aufzuräumen, die in den vergangenen Wochen die Runde gemacht haben. „Kein Pony ist verletzt worden, und es wurde auch kein Tier eingeschläfert.“ Völlig aus der Luft gegriffen ist laut Ralf Duveneck, dass der Hof aufgegeben oder sogar von amtlicher Seite geschlossen werden sollte. „Die Sicherheit der Tiere und der Kinder stand und steht bei uns an oberster Stelle. Nach dem Vorfall haben wir uns entschieden, die Fackelritte, bei denen in all den Jahren noch nie etwas Gravierendes passiert ist, künftig nicht mehr zu veranstalten.“ Stattdessen werden die Mädchen jetzt einmal pro Woche mit Planwagen und Kutschen zum beliebten Lagerfeuer in die Westernstadt gefahren. Zurück zum Hof geht es zu Fuß in einer Nachtwanderung.

Die positiven Reaktionen der Mädchen und Eltern, die Junkern-Beel zum Teil in zweiter und dritter Generation besuchen, haben die Familie Schulte-Übermühlen darin bestärkt, den Betrieb auf jeden Fall weiterzuführen. Daran wird auch ein mögliches Verfahren wegen fährlässiger Körperverletzung nichts ändern. Wie Bernhard Schunert von der Polizei Meppen auf Anfrage mitteilte, sind die Ermittlungen weitestgehend abgeschlossen. Ursache für das Durchgehen der Ponys war wohl eine heruntergefallene Fackel. Die Akte wird jetzt der Staatsanwaltschaft Osnabrück zugeleitet.

Dankbar ist die Familie Schulte-Übermühlen für die Unterstützung seitens der Gemeinde. Verwaltungschef Karl-Heinz Weber hält den Vorwurf mangelnder Sicherheitsvorkehrungen für unbegründet. „Solche Vorfälle lassen sich nicht zu 100 Prozent ausschließen. Wir sind alle froh, dass keines der Mädchen bleibende Schäden davongetragen hat.“ Alle 44 verletzten Kinder haben einen Brief der Gemeinde und eine „kleine Aufmerksamkeit“ erhalten.


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