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Wunderschöne Geschichte, nur leider erfunden

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Wunderschöne Geschichte, nur leider erfunden

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Ein edler Spender - N3, Sonntag, 23. 00 Uhr

Von Frank Jürgens

,,Du sollst keine Beweise rausgeben, Liebling." Entrückt lächelnd schließt sie einen der unzähligen Aktenordner. ,,Na gut". Szenen einer Ehe. Eingefangen von Tilo Knops und Kirsten Waschkau für eine außergewöhnliche ,,Geschichte einer Medienkarriere", hinter der sich ein Abgrund journalistischer Nachlässigkeiten auftut.

Da macht ein gewisser ,,Dr. Carsten Malin" die Runde durch nahezu sämtliche Medien, hat knapp 50 TV-Auftritte und avanciert vor allem im bunten Boulevard-Journalismus zum Liebling als selbstloser Spender für die ärmsten Kinder der Welt. Ob Bärbel Schäfer oder Sabine Christiansen, ob in Wieland Backes öffentlich-rechtlichem ,,Nachtcafé" oder bei Barbara Eligmann in ,,RTL explosiv" - der ,,wunderbare Geizhals" (O-Ton Eligmann) ist immer eine gute Story wert. Da paaren sich die Schrullen eines Pfennigfuchsers, der vorgibt, nicht mehr als eine Mark zum täglichen Leben zu brauchen mit der Selbstlosigkeit eines Wohltäters, der jeden gesparten Pfennig in Hilfsprojekte steckt. Bei so einer herzergreifenden Aussteiger-Story verbietet sich offensichtlich jede kritische Recherche von selbst.

Der Haken an der ganzen Geschichte ist, dass nahezu alles an ihr frei erfunden ist. Der gute Mann, der in Wirklichkeit weder Arzt ist noch einen akademischen Titel besitzt, heißt in Wirklichkeit nicht Carsten Malin sondern Otwin Malinowski. Die vielen angeblichen Beweise für sein selbstloses Engagement, die er unter nicht enden wollenden Redeschwällen den baffen Journalisten vorzulegen pflegt, entpuppen sich bei näherem Hinsehen allesamt als nicht beweisfähig. Die von ihm stets angeführten Hilfslager in Afrika existieren nicht. Der einzige konkrete Hinweis auf ein Lager im Sudan, das sich in seinen Unterlagen als Kreuz auf einem Stadtplan findet, entpuppt sich als Luftschloss. Dort befindet sich seit den 1960er Jahren ausgerechnet das Deutsche Kulturinstitut.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Schweinfurt gegen den Wohltäter wegen Anlagebetrug. Irgend jemand hat sich wohl von dem Erzähltalent Aktien mit versprochenen 60 Prozent Zinsen pro Monat aufschwatzen lassen. Natürlich alles im Namen von Rockefeller und den Kindern in der Dritten Welt. Malinowski schreckt vor nichts zurück.

Wieso bei derart kruden Geschichten einer selbstinszenierten Medienshow nicht längst sämtliche journalistischen Alarmglocken angeschlagen haben, ist eigentlich selbst in der heutigen Zeit des schnellen Boulevard-Journalismus und seiner kritiklosen Akzeptanz jeder gut klingenden Geschichte ein Rätsel. So ist der Beitrag der NDR-Reporter trotz seiner heiter-ironischen Erzählweise auch ein Plädoyer an alle Kollegen, den Dingen wieder etwas mehr auf den Grund zu gehen. Dieser Film über nicht ganz ,,astreine" Recherche ist leider nur die funkelnde Spitze eines wachsenden Eisbergs.





 
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