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Spitze Schreie für Poldi

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Spitze Schreie für Poldi

Das ins kollektive Fußballfieber gefallene Land hat ein neues Hobby: „Public Viewing“ auf Großbildschirmen. Auch in Osnabrück wird nicht nur in der größten WM-Arena des Alando „öffentlich zugeschaut“. Wir haben uns umgesehen.

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Junger Fan der Nationalmannschaft
Riesenstimmung auf dem Neumarkt nach dem 2:0-Erfolg über Schweden.
Szene eins: Lagerhalle. Noch eine halbe Stunde bis zur Partie Deutschland gegen Schweden. Fast alle Plätze vor den beiden großen Leinwänden werden von erwartungsvollen Fußballfans bevölkert. An einem Tischchen haben es sich Tine Kopsch und Anika Verbrügge gemütlich gemacht. Am „Public Viewing“ in der Lagerhalle gefällt den beiden jungen Frauen vor allem das angenehme Publikum: „Hier ist es nicht so voll und nicht so asi.“

Obwohl sie die Daumen für Deutschland drücken, haben die beiden jungen Frauen bei ihren Fußball-Accessoires bewusst auf Schwarz-Rot-Gold verzichtet. Eine Deutschland-Ratsche wurde sogar mit schwarzem Klebeband neutralisiert. Sie habe nichts gegen „gesunden Patriotismus“, sagt Anika Verbrügge, „aber wenn ‚Sieg! Sieg!‘ gebrüllt wird, finde ich das schon grenzwertig.“

Szene zwei: Cinestar-Kino am Hauptbahnhof. Sekunden vor dem Anpfiff. Trotz sommerlicher Außentemperaturen ist Saal 7 gut gefüllt. Auf der großen Leinwand nehmen gerade die beiden Mannschaften Aufstellung. Einige spitze Schreie, als „Poldi“ und „Schweini“ ins Bild kommen.

In perfekter Kino-Tonqualität ertönen die Hymnen. Die meisten Besucher bleiben in ihren Kinosesseln sitzen. Doch Aljoscha Heims, Johannes Klinge und Falk Woelm stehen auf und singen inbrünstig mit, die rechte Hand auf dem Herzen. „Ich finde, dass das der deutschen Mannschaft zusteht“, sagt uns der 15-jährige Aljoscha, „nicht jeder, der die Hymne singt, ist ein Nazi“. Kurz darauf schießt Lukas Podolski das 1:0. Jubel im Kinosaal.

Szene drei: Saal der Paulus-Gemeinde. Etwa 50 Zuschauer sind bester Laune. „2:0 für uns“, informiert Burghard Affeld die Neuankömmlinge von der Zeitung. Fußball gucken in der Kirchengemeinde? Für den Pastor nichts Ungewöhnliches. „Die einen glauben an Fußball, wir glauben an Gott – das kann man miteinander verbinden.“ Die Übertragung der WM-Spiele habe Leute angelockt, die er in der Kirche noch nie gesehen habe. Manche hätten die Chance genutzt, nach dem Abpfiff über ihre Probleme zu sprechen. „Es hat sich gelohnt“, sagt Affeld.

Drei weibliche Deutschland-Fans
Auch im Innenhof des Anyway fand eine Public-Viewing-Fußballparty statt.
Szene vier: Innenhof vor dem Anyway. Blankes Entsetzen, als Schiedsrichter Carlos Simon Elfmeter für Schweden pfeift. Die knapp 1000 „Public Viewer“ blicken gebannt auf das Großbild, das im hellen Sonnenlicht etwas schwer zu erkennen ist. Als Henrik Larsson verschießt, ist die fröhliche Atmosphäre gerettet.

Szene fünf: Neumarkt. Kurz nach Abpfiff. Der Platz versinkt in einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer. Als wäre Deutschland soeben Weltmeister geworden. Im Trubel treffen sich zwei Bekannte. „Wie geht’s?“, fragt der eine. „Deutschland hat gewonnen“, lautet die Antwort, „wie soll’s mir gehen?“

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