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Der Messdiener und das Rambo-Klischee
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 03. Juni 2006 00:00 Uhr


Der Messdiener und das Rambo-Klischee

Die deutschen WM-Spieler (Folge 20): Sebastian Kehl
Vorschuss von den Bayern, Wechsel zum BVB

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Wurzeln: In der hessischen Rhön, beim SV Lahrbach, begann Kehls Laufbahn; sein Talent zeichnete sich früh ab, die Förderung durch seinen Großvater Paul hat er nie vergessen: „Ohne ihn wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.“

Karriere: Bei Borussia Fulda wurde der vielseitige Defensivspieler für die DFB-Jugendauswahl entdeckt. Den Sprung in den Profifußball schaffte er bei Hannover 96. Eine von ihm selbst ausgehandelte Ausstiegsklausel erlaubte ihm für nur 200000 DM im Sommer 2000 den Wechsel zum Bundesligisten SC Freiburg, wo er den Durchbruch schaffte. Als die Spitzenklubs um den jungen Star buhlten, verlor er die Übersicht: Von den Bayern kassierte er einen Vorschuss, zog dann aber seine Zusage zurück, um dann in einem wochenlangen Gezerre seinen Wechsel zu Borussia Dortmund zu erzwingen.

Nationalmannschaft: U16, U18, U21 – das Debüt in der A-Elf im Mai 2001 beim 2:0 gegen die Slowakei hatte sich abgezeichnet. Doch der lange Schlaks erfüllte nicht alle Erwartungen: Bei der WM 2002 war er nur Einwechselspieler, bei der EM 2004 wurde er gar nicht eingesetzt. Beim Confed-Cup 2005 fehlte Kehl verletzt. Erst im März dieses Jahres kehrte er zurück.

Über sich: „Als Fußballprofi bist du allgemein in Gefahr, dich nur auf den Sport zu fixieren. Dabei kann man leicht verblöden.“

Besonderes: Zwei Platzverweise wegen Tätlichkeiten, einmal sogar gegen einen Schiedsrichter, innerhalb weniger Wochen brachten ihn 2003 ins Gerede. „Ich gehöre nicht in die Rambo-Schublade“, wehrte er sich.

Persönliches: Der gläubige Katholik war in seiner Jugend Messdiener und dachte sogar daran, Priester zu werden. Zusammen mit seinem Freund Christoph Metzelder engagiert er sich für das Hilfsprojekt „Roter Keil“, das gegen Kinderprostitution kämpft. Für dieses Engagement wurden die beiden Fußballer von Papst Johannes Paul II. empfangen.

 

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