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Die Sandflöhe kommen erst abends

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Die Sandflöhe kommen erst abends

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München (srt).
Im Bad tanzen Kakerlaken Tango, an der Speisesaaltür wartet beim Hauptgang schon die zweite Schicht.
Die Heizung am Pool bleibt aus Energiespargründen ausgeschaltet; die Bässe der Hotel-Disco wummern dafür, bis die Müllmänner frühmorgens ihr tägliches Tonnen-Geschepper beginnen. Das gebuchte dritte Bett erweist sich als Sessel mit Fußstütze. Aber vor allem hat der Katalog ja gewarnt. Fast jeder Reisekatalog enthält heute ein solches „Offenes Wort", „Nützliche Hinweise" oder die Rubrik „Offen und ehrlich". Dort listen die Veranstalter auf, womit Urlauber rechnen müssen und sind im Falle eines Rechtsstreits fein raus. Der Urlaubsspaß könnte einem vergehen – Spaß machen höchstens die geschraubten Formulierungen, mit denen das Unheil vorsichtig umschrieben wird.

„Auf Mallorca wird hier und da gebaut", formuliert Neckermann. Bei Jahn-Reisen ist zu erfahren, dass das Wasser „manchmal nicht die von Ihnen sonst gewohnte Temperatur" hat. Und Tjaereborg weiß, dass „es durch die Eröffnung neuer Unterhaltungsstätten zu lauter Musikunterhaltung kommen kann". Zum Schmunzeln sind die Umschreibungen für Baustellen. Kran-Städte und Presslufthammer neben dem Hotel heißen gern „optische/akustische Beeinträchtigung". Und mit diesen hat der Urlauber stets zu rechnen. Schließlich wird ja gebaut, um „Ihnen den Komfort zu bieten, den Sie erwarten". Das wäre ja ganz nett, aber „es besteht die Möglichkeit, dass gerade an ihrem Ankunftstag mit dem Bau begonnen wird" (ITS).

„Autos und Motorräder unterliegen keinen strengen TÜV-Bestimmungen", entschuldigt Jahn-Reisen Straßenlärm in der Türkei. Animateure und Kinderbetreuer haben bisweilen Verständigungsprobleme, denn sie sprechen „manchmal nicht perfekt Deutsch". Noch deutlicher wird ITS: „Die Betreuer sprechen oft nur Englisch oder die Landessprache." Ungeziefer ist „verstärkt anzutreffen", erklären die Kreutzer-Prospekte fürsorglich im schönsten Bürodeutsch. Deswegen muss jederzeit mit dem „Einsatz von Bekämpfungsmitteln gerechnet werden". Die Sandflöhe kommen aber meist erst abends aus der Deckung, beruhigt FTI.

„Fürsorge" und „Offenheit" der Reiseveranstalter haben einen handfesten Hintergrund. Wenn sich Beschwerden häufen, wird die Warnung vor dem Problem einfach an unauffälliger Stelle in den Katalog geschrieben – zum Beispiel auf Seite 157 des Preisteils. Damit kommen die Veranstalter ihrer Informationspflicht nach: Schließlich haben sie den Kunden ja vor den Umständen am Urlaubsort gewarnt. Er hätte nur den Katalog genau lesen müssen …



 
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