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1986: Maradona überstrahlt alles
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 05. April 2006 00:00 Uhr


1986: Maradona überstrahlt alles

Es war von vornherein eine „mission impossible“, dennoch hat der Kommandant das Beste daraus gemacht. Franz Beckenbauer, nach dem EM-Desaster von 1984 für den glücklosen Jupp Derwall als Teamchef inthronisiert, gewann bei der WM 1986 in Mexiko mit der DFB-Auswahl den Vizetitel, und die Silberplaketten hatten – anders als vier Jahre zuvor in Spanien - einen Goldschimmer.

 
Der Triumphator: Auch wenn er im Endspiel ohne Torerfolg blieb, so hatte Diego Maradona doch den größten Anteil am WM-Erfolg Argentiniens. Das Siegtor zum 3:2 bereitete er mit einem genialen Pass vor.  Vergrößern

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Der „Kaiser“ ließ Fußball arbeiten. Das reichte, um sich durch die Runden zu pflügen, war aber am Ende zu wenig, um im Endspiel den Argentiniern das Wasser reichen zu können. Die „Gauchos“ gewannen im Azteken-Stadion 3:2, und es reichte ein einziger Geniestreich von Diego Maradona, der später nie wieder ein solch überragendes Turnier spielen sollte, um das einen 0:2-Rückstand durch Rummenigge und Völler aufholende deutsche Team zu desillusionieren. Das Finale: Es war nicht das Spiel des Toni Schumacher. Beim 1:0 der Argentinier segelte er unter der Flanke durch, die Brown ins Tor köpfte, beim Siegtreffer durch Burruchaga kam der „Tünn“ zu spät aus dem Kasten. Hernach gestand er: „Hätte ich nicht gehalten wie ein Arsch, wären wir Weltmeister geworden.“

Eine Torwartdebatte beschäftigte die Deutschen auch schon vor 20 Jahren. Seinerzeit meldete der in der Bundesliga konstant stark haltende Uli Stein seine Ansprüche an und wollte Schumachers Platz zwischen den Pfosten. Als er in seinem Frust jedoch Beckenbauer einen „Suppenkasper“ nannte, der mit einer „Gurkentruppe“ arbeite, wurde Stein unehrenhaft entlassen.

Gründe, an Schumachers Leistungen vor dem Finale herumzumäkeln, hatte es in der Tat nicht gegeben. Er hielt seinen Kasten beim mühsamen Achtelfinalsieg über Marokko (Siegtreffer durch Matthäus’ Freistoß) sauber und war der Held im Elfmeterkrimi des Viertelfinales gegen Mexiko, als er die Schüsse von Quirarte und Servin parierte. Und auch beim 2:0-Halbfinalerfolg über Frankreich (Tore durch Brehme und Völler) war Schumacher der Fels in der Brandung. Vergessen waren in diesem Moment alle Querelen im deutschen Team, das sich zuvor in eine Köln- und eine Bayern-Fraktion gespalten hatte.

Die Schlagzeilen des Turniers aber schrieb ein anderer. Mexiko erlebte Diego Armando Maradona im Zenit seines Könnens. Der 1,66 m große Techniker und Spielgestalter entschied Spiele im Alleingang. Wie das Viertelfinale (2:1) gegen England, als er zunächst – unfairerweise - die „Hand Gottes und den Kopf Maradonas“ (Originalzitat) bemühen musste, um Argentinien auf Kurs zu bringen. Doch nur drei Minuten später legte er ein Solo hin, wie es die Fußball-Welt bei einem großen Championat noch nie gesehen hatte. Vier Engländer ließ er während seines im Mittelkreis gestarteten dynamischen Dribblings stehen, anschließend umkurvte er auch noch Torwart Shilton und überwand ihn legal. Es spricht für die Fairness der Briten, dass sie 13 Jahre später trotz der Unsportlichkeit Maradonas beim ersten Treffer dieses 2:0 zum „Tor des Jahrhunderts“ wählten.

Von Maradona sprach die Welt auch im Halbfinale gegen Belgien (2:0), das er mit beiden Treffern entschied. Und so waren die Deutschen im Endspiel zu sehr auf „Dieguito“ fixiert und vergaßen, dass die Argentinier noch über weitere großartige Fußballer verfügten. Dennoch: Maradona war ihr Fixstern, auch wenn er im Endspiel nur einmal leuchtete.

Die 13. WM: 31. Mai bis 29. Juni 1986 in Mexiko

Weltmeister: Argentinien (3:2 gegen Deutschland)
Im Viertelfinale gescheitert: Brasilien, England, Mexiko, Spanien
Platz 3: Frankreich (4:2 n. V. gegen Belgien)
Zuschauer: 2,4 Millionen (Schnitt 46 000)
Finalstadion: Aztekenstadion, 114 600 Zuschauer
Tore: 132 in 52 Spielen (Schnitt 2,5)
Torkönig: Gary Lineker (England), 6 Tore
Höchste Siege: UdSSR - Ungarn 6:0, Dänemark - Uruguay 6:1
Nicht qualifiziert (u.a.): Niederlande, DDR, Schweden, Chile
Besser vorbereitet: Im Gegensatz zu 1970 waren die Themen „Hitze“ und „Höhe“ weniger angesagt. Das lag an der enormen Weiterentwicklung der Spieler in athletischer Hinsicht. Und erstmals war deutlich die Handschrift der Sport-Wissenschaft zu erkennen.
Maradona-Fieber: Er war auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft und eindeutig der überragende WM-Spieler. Als der Endspiel-Triumph perfekt war, forderte die argentinische Zeitung „El Mercurio“: „Benennt unsere Hauptstadt Buenos Aires in Maradonia um.“ Zu viel Ruhm kann auch zu Kopfe steigen – wie uns Maradonas Vita eindrucksvoll lehrt.

Quelle: Fußball-WM-Enzyklopädie, von Hardy Grüne (Agon-Verlag)

Was 1986 sonst noch geschah

28. Januar: Die amerikanische Raumfähre „Challenger“ explodiert 73 Sekunden nach dem Start in Cape Canaveral (Florida). Alle sieben Astronauten kommen ums Leben.
28. Februar: Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme wird in Stockholm von einem Attentäter erschossen.
13. April: Die 16 Jahre alte Steffi Graf gewinnt in Hilton Head durch einen Sieg über die Weltranglisten-Zweite Chris Evert-Lloyd zum ersten Mal ein Profi-Tennisturnier.
15. April: US-Flugzeuge bombardieren die libyschen Städte Tripolis und Bengas.
26. April: In dem ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl kommt es zum bislang größten Reaktorunfall in der Geschichte der zivilen Nutzung von Atomenergie.
9. Oktober: In London wird das Musical „Das Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber uraufgeführt.

 
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