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Tippspiel1934: Titelverteidiger fehlt beleidigt, England sagt ab
Bei der Europa-Premiere der Weltmeisterschaft 1934 in Italien feierte der deutsche Fußball seinen WM-Einstand. Der Titelverteidiger Uruguay blieb der WM beleidigt fern.
Für die Faschisten um den „Duce“ Mussolini diente der Triumph als Propaganda, so wie es zwei Jahre später die Olympischen Spiele in Berlin für Hitlers Nazi-Deutschland waren. Trotz der zunehmenden politischen Einflussnahme konnten Reichstrainer Otto Nerz und sein Assistent Sepp Herberger in der Vorbereitung unbelästigt experimentieren und eine Nationalmannschaft formieren, die mit einem Altersdurchschnitt von 23 Jahren eine der jüngsten überhaupt war. Es war die Zeit, in der Edmund Conen (Saarbrücken) und Ernst Lehner (Augsburg) entdeckt wurden, Hans Jakob (Regensburg) und Paul Janes (Düsseldorf) den Durchbruch schafften.
Star der Mannschaft war der blonde Schalker Fritz Szepan, der wegen eines Streits mit Nerz ursprünglich nicht mit nach Italien fahren wollte. Der Mittelfeldstratege aus dem Kohlenpott hatte seine eigene Auffassung vom Spiel und geriet immer wieder mit dem Reichstrainer aneinander. Doch in kleinen Schritten und klärenden Gesprächen fanden beide einen Weg zueinander – und der Schalker übernahm als Kapitän die ihm zugedachte Position als Mittelläufer.
Für Sportjournalist Vittorio Pozzo war die Aufgabe als Chefcoach der Azzuri nicht weniger knifflig. Doch es gelang ihm, aus den Individualisten ein Team zu schweißen, das auf dem Feld keine Gnade kannte und sich der Unterstützung der Schiedsrichter sicher war. Den schlechten Ruf der spielerisch brillanten „Squadra Azzurra“ prägte ein Spieler: Luis Fernando Monti, ein eisenharter Stopper. Als er im Halbfinale gegen Österreichs Wunderteam (1:0) den genialen Matthias Sindelar krankenhausreif trat, schrien die Fans empört auf. Doch dem schwedischen Schiedsrichter Ivan Eklind fehlte der Mut zum Platzverweis. Der Referee hatte schon beim Tor der Italiener beide Augen zugedrückt, als Torwart Peter Platzer von Giuseppe Meazza über die Linie geschubst worden war.
Ein Eklat hatte auch das Viertelfinale zwischen Italien und Spanien überschattet. Der Schweizer Referee Rene Mercet erkannte einen irregulären Treffer Meazzas an, beim korrekten Ausgleich der Spanier aber sah er eine Regelwidrigkeit.
Die junge deutsche Mannschaft legte ein glänzendes WM-Debüt hin, das allerdings schon im ersten Spiel gegen Belgien hätte zu Ende sein können. Dank eines Hattricks von Mittelstürmer Conen, der in seinem zweiten Länderspiel aus einem 1:2-Rückstand zur Pause noch einen 5:2-Sieg machte, lehrte Deutschland die Konkurrenz das Fürchten und galt nach dem 2:1 von Mailand im Viertelfinale gegen Schweden sogar als Geheimtipp.
Dass aus dem Finale nichts wurde, lag an der Tschechoslowakei – und Deutschlands Senior Willibald Kreß. Der 28 Jahre alte Torhüter aus Dresden erwischte beim 1:3 einen schwarzen Tag, während sein Gegenüber Frantisek Planicka die deutschen Stürmer zur Verzweifelung trieb und nur den Ehrentreffer des Hamburgers Rudolf Noack zuließ. Für das „kleine Finale“ gegen den übermächtigen Erzrivalen Österreich ließ Nerz den Aachener Reinhold Münzenberg nachkommen. Der Mittelläufer wurde beim 3:2-Sieg zum überragenden Mann. Platz drei war ein Erfolg, mit dem niemand gerechnet hatte. Die deutschen Amateure hatten es den Profis gezeigt.
Weltmeister: Italien (2:1 n. V. g. Tschechoslowakei)
Aus im Halbfinale: Deutschland (1:3 gegen Tschechoslowakei), Österreich (0:1 gegen Italien).
Platz 3: Deutschland (3:2 gegen Österreich).
Zuschauer: 387000 in 17 Spielen (Schnitt: 22765).
Finalstadion: Stadio Nazionale in Rom (55000).
Tore: 70 Tore (4,1 pro Spiel).
Torkönig: Oldrich Nejedly (Tschechoslowakei), 5 Tore.
Unglaublich, aber wahr: Das Finale in Rom war nicht ausverkauft – hohe Preise schreckten viele Fans ab.
Die Sensation: Die deutsche Mannschaft überraschte die Experten mit dem „Sprung in die Weltklasse“, wie das Fachblatt Fußball schrieb.
Der Skandal: Im Achtelfinale machte der belächelte Außenseiter Ägypten gegen Ungarn ein 0:2 wett und schaffte sogar das 3:2, das aus unerklärlichen Gründen nicht anerkannt wurde – Ungarn quälte sich zum 4:2.
29. Januar: Albert Einstein wird von den Nationalsozialisten ausgebürgert.
26. Januar: Deutschland und Polen schließen einen Nichtangriffspakt.
26. Mai: Das Luftschiff „Graf Zeppelin“ startet zum ersten Flug nach Rio de Janeiro.
9. Juni: Erster Auftritt für Donald Duck im Zeichentrickfilms „The Wise Little Hen“.
30. Juni: Hitler lässt den SA-Stabschef Röhm und 200 Oppositionelle ermorden.
2. August: Reichspräsident Paul von Hindenburg stirbt im Alter von 86 Jahren.









