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1930: Rumänien nahm auf Befehl von König Carol teil

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1930: Rumänien nahm auf Befehl von König Carol teil

Die erste Weltmeisterschaft vom 13. bis 30. Juli 1930 in Uruguay war ein Turnier mit Hindernissen, dessen sportlicher Wert von den großen europäischen Fußball-Nationen angezweifelt wurde. 26 Jahre nach seiner Gründung hatte der Weltverband FIFA die Idee eines Championats endlich umgesetzt, doch um den Austragungsort war ein handfester Streit entbrannt.

 
Weltmeister 1930: Uruguay (stehend von links): Masseur Figoli, Alvaro Gestido, Jose Nazazzi, Enrique Ballesteros, Ernesto Mascheroni, Andrade, Lorenzo Fernandez, Masseur Greco sowie hockend Pablo Dorado, Hector Scarone, Hector Castro, Jose Pedro Cea, Santos Iriarte.  Vergrößern

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Schon damals ging es um das liebe Geld. Die Europäer forderten für die lange Reise nach Südamerika 60000 Mark sowie die Übernahme aller Kosten etwa für den Verdienstausfall der Spieler. England blieb aus einem anderen Grund fern. Im „Mutterland des Fußballs“ hatte man sich dem Profifußball zugewandt und deshalb mit der FIFA überworfen. Die FIFA hatte das Turnier aus nachvollziehbaren Gründen nach Montevideo vergeben. Die „Urus“ waren 1924 und 1928 Olympiasieger geworden. Außerdem standen am Rio de la Plata die Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit bevor. In der „Schweiz Südamerikas“ herrschte durch den florierenden Handel mit Weizen, Salpeter, Rindfleisch und Wolle ein hoher Lebensstandard. Nach dem Ende des 18- tägigen WM-Turniers mit 13 Mannschaften kassierte die FIFA erstmals ab: 12719 Pesos Überschuss wurden erwirtschaftet.

Auf dem „alten Kontinent“ fürchtete man die kostspielige Schiffsreise über den Atlantik. FIFA-Präsident Jules Rimet tingelte durch Europa, um Interesse für das Turnier in Montevideo zu wecken; eine Qualifikation gab es nicht. Jugoslawien und Rumänien hatten sich bereits zur Teilnahme entschlossen. Die Rumänen reisten auf Befehl ihres Königs Carol, der ein großer Fußball-Fan war und die Spieler höchstpersönlich auswählte.

Ansonsten fand Rimet nur Gleichgesinnte daheim in Frankreich und in Belgien, Mannschaften zweiten Ranges, wie man in England, Ungarn, Österreich oder der Tschechoslowakei spottete. „Man wird nicht fehlgehen, dem unter dem Namen Weltmeisterschaft in Montevideo aufgezogenen Fußballturnier keine höhere Bedeutung zuzumessen“, lästerte Eugen Seybold im deutschen Fachblatt „Fußball“.

Die Begeisterung in Südamerika war dennoch groß; erst recht, als das Traumfinale zwischen Argentinien und Uruguay, die Neuauflage des Olympia-Endspiels von 1928, perfekt war. Das als Jahrhundertbau gepriesene „Estadio Centenario“ war mit 90 000 Zuschauern überfüllt. Für Sicherheit sorgten Hundertschaften von Polizei und Militär sowie ein zweieinhalb Meter hoher Drahtzaun und ein Wassergraben zwischen Tribünen und Spielfeld.

Das Finale endete 4:2 für Uruguay, das als erste Mannschaft den „Worldcup“, ein aus 1,8 Kilogramm Gold gefertigtes Abbild der Glücksgöttin Fortuna, in Empfang nehmen durfte. Trainer Alberto Suppici ging mit 31 Jahren und 240 Tagen als jüngster Weltmeister-Trainer in die Geschichte ein.

Star des ersten Weltmeisters war José Leandro Andrade, ein schwarzer Außenläufer, der schon beim Olympiasieg 1928 einer der Leistungsträger war. Der gelernte Klavierstimmer ging nach seiner Fußball-Karriere nach Paris, wo er sich am Montmartre als Sänger und Tänzer verdingte. Er war ein Lebemann, ein Frauenheld. Er starb, vergessen und verarmt, am 3. Oktober 1957 mit 56 Jahren in einem Armenhaus in Montevideo.

Um den ersten WM-Torschützenkönig dagegen trauerte ganz Argentinien, als er 1966 zu Grabe getragen wurde. Gulliermo Stabile war viele Jahre Nationalcoach der „Gauchos“, doch sein zweiter Auftritt auf der WM-Bühne endete kläglich. 1958 scheiterte Argentinien in den Gruppenspielen. Acht Tore in vier Spielen hatte Stabile 1930 erzielt, der historische erste WM-Treffer war jedoch einem Europäer gelungen. Der Franzose Lucien Laurent vom FC Sochaux eröffnete am 13. Juli beim 4:1 gegen Mexiko in der 19. Minute den Torreigen. Der damalige Peugeot-Arbeiter wurde später Präsident des FC Besancon und erlebte 1998 als 92- Jähriger noch den WM-Triumph im eigenen Land.

Die 1. WM: 13. bis 30. Juli 1930 in Uruguay

Weltmeister: Uruguay (4:2 gegen Argentinien)
Aus im Halbfinale: USA (1:6 gegen Argentinien), Jugoslawien (1:6 gegen Uruguay).
Zuschauer: 434500 in 18 Spielen (Schnitt: 24139).
Finalstadion: Estadio Centenario in Montevideo (80000).
Tore: 70 Tore (3,88 pro Spiel).
Torschützenkönig: Guillermo Stabile (Argentinien), 8 Tore.
Unglaublich, aber wahr: Der Amerikaner Tracy spielt im Halbfinale 35 Minuten mit gebrochenem Bein.
Die Sensation: die USA, die sich ohne britische Profis in der Vorrunde gegen Paraguay und Belgien durchsetzten.
Der Skandal: Im Halbfinale benachteiligte Schiedsrichter Almeida Rego die Jugoslawen, die gegen Gastgeber Uruguay 1:0 in Führung gegangen waren, klar – angeblich waren die ersten der drei Treffer der „Urus“ irregulär.


Was 1930 sonst noch geschah

20. Januar: Deutschland wird zu Reparationszahlungen an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs verpflichtet.
6. März: In den USA bietet ein Lebensmittelhändler die erste Tiefkühlkost der Welt an.
12. März: Mahatma Gandhi beginnt mit einem Protestmarsch den indischen Freiheitskampf.
12. Juni: Max Schmeling wird durch einen Sieg über Jack Sharkey Boxweltmeister.
15. September: Der Film „Die Drei von der Tankstelle“ mit Heinz Rühmann wird zum Kassenfüller in deutschen Kinos.

 
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