26.12.2008, 23:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Trauer nach der Todeswelle

Auf diesen Urlaub hatte sich die Familie das ganze Jahr gefreut und bei der Abreise eine Portion Neid der Kollegen im Gepäck: Sechs Wochen über Weihnachten und Neujahr im Tropenparadies Khao Lak an der Ostküste Thailands, nördlich von Phuket, wo der Rummel nicht mehr so schlimm und das Strandleben noch schöner ist. Marketing-Manager Stefan Kühn und Hotelfachfrau Kristin Kühn wollten mit ihren zwei Kleinkindern den Winter vor vier Jahren auf der Sonnenseite des Lebens verbringen.

Doch sie wurden Chronisten eines Grauens, wie es die Natur der Menschheit nur selten zugefügt hat: Am zweiten Weihnachtstag löst ein Seebeben vor der Nordspitze Sumatras den verheerendsten Tsunami der Neuzeit aus, der rund 210000 Menschen das Leben kosten wird. Noch am Heiligabend filmt Stefan Kühn in der Badehose die unbeschwerte Bescherung unter tropischer Sonne, zwei Tage später ungläubig die Katastrophe.

„Alles war wie sonst, aber auf einmal ging das Wasser weg“, sagt der junge Manager. Und dann kam es mit tödlicher Wucht zurück, während der Urlauber noch gar nicht wusste, was er da dreht. Als er die Gefahr erkennt, flüchtet er in panischer Angst und lässt die Kamera einfach weiterlaufen. Die Bilder, die er in Khao Lak dreht, werden wenig später um die Welt gehen und sind nun die Grundlage des packenden Doku-Dramas.

Überlebt hat auch die Flensburgerin Jutta von Ohle – aber wie. Sie selbst kann sich mit ihrer Tochter Lena vor den Killerwellen retten, ihren Mann Franko sieht sie jedoch nur noch einmal: auf einem Foto von bis dahin nicht identifizierten Opfern des Tsunami. Seine Kopfwunde ist so grässlich, dass sie ihn erst gar nicht erkennt.

Olaf Lühring hingegen bemerkt die Katastrophe zunächst gar nicht – er befindet sich auf einem Tauchausflug vor der Küste und nimmt den Tsunami unter Wasser gar nicht wahr. Als er nach Khao Lak zurückkehren will, erschrecken ihn zunächst die riesigen Müllmengen im Wasser und noch viel mehr die Sorge um seine Frau.

Selten hat eine Naturkatastrophe fern der Heimat die Deutschen so berührt wie der Tsunami von Weihnachten 2004. Kein Wunder, Tausende verbrachten dort ihren Urlaub, Zigtausende bangten um Freunde und Angehörige, Hunderttausende spendeten für die Opfer und den Wiederaufbau. Und so behält der Film von Kathrin Schräer über weite Strecken die deutsche und eine sehr persönliche Brille auf. Das ist legitim und vor allen Dingen gut gemacht. Die Filmautorin hat etliches von deutschen Urlaubern gedrehtes Videomaterial zusammengetragen und daraus eine gleichermaßen spannende wie ergreifende Collage gefertigt. Wenn auch erst spät, so vergisst sie doch nicht, auch das Schicksal der Millionen Menschen zu schildern, die in den Katastrophengebieten zu Hause sind. Was dem Film allerdings fehlt, ist eine Antwort auf die Frage „Wie ging es weiter?“.

Zum Jahrestag der Katastrophe am zweiten Weihnachtstag mochte RTL sein Publikum mit einem solchen Doku-Drama offenbar nicht belästigen und strahlte stattdessen „Happy Otto“ und „Herr der Ringe aus“. Dabei geht dieser Film viel mehr ans Herz als so manche Schmonzette über die Feiertage. „Wir haben so viel geweint“, gesteht Stefan Kühn. Jeder Zuschauer wird es ihm nachfühlen können und muss sich seiner Tränen nicht schämen.

Das „Explosiv Spezial: Wenn der Urlaub

zur Katastrophe wird“ läuft am Samstag, 27. Dezember 2008, um 19.05 Uhr auf RTL.


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