19.09.2000, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Zukunft der Wilken-Filiale in Lingen weiter ungewiss

Lingen (pe)
Udo Hass, Geschäftsleiter der Möbel Wilken-Filiale am Darmer Esch in Lingen, schloss am Dienstagmorgen um 9.30 Uhr selbst die Türen des Einrichtungshauses auf. Eigentlich nichts Besonderes, aber angesichts der prekären Situation, in der das wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen derzeit steckt, doch ein Bild mit Symbolkraft. In dem Möbelhaus ist sich keiner für nichts zu schade, um den Betrieb und damit auch den eigenen Arbeitsplatz zu erhalten.

Das Unternehmen, das in Werlte ein Möbelhaus und eine Küchenproduktion betreibt und neben der Lingener Filiale außerdem Einrichtungshäuser in Cloppenburg und Berlin unterhält, hatte am 23. August beim Amtsgericht Meppen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, weil Zahlungsunfähigkeit drohe (wir berichteten). Möbel Wilken beschäftigt insgesamt rund 130 Mitarbeiter, davon zwölf in Lingen.

Wie es konkret mit dem Unternehmen im Allgemeinen und der Lingener Filiale im Besonderen weitergeht, konnte Udo Hass gestern in einem Gespräch mit unserer Zeitung nicht sagen. Der 42-jährige Kaufmann sprach von drei Optionen: a) die Wilken-Standorte werden aufgegeben, b) es findet sich ein Käufer, oder c) eine Auffanggesellschaft wird gegründet.

Für alle drei Varianten gelte es nun, die Voraussetzungen zu erfüllen, erläuterte Hass. Dazu gehöre insbesondere die Verbesserung der Liquidität des Unternehmens. Durch Werbeaktionen habe beispielsweise die Lingener Filiale in den letzten Tagen in verstärktem Maße um Kunden geworben, ein Konzept, das angesichts der vollen Parkplätze am Darmer Esch offenbar aufgehe, sagte Hass.

Auch wenn die Situation für die Belegschaft nicht einfach sei, so versuche doch jeder, sein Bestes zu geben, zeigte sich der Geschäftsleiter erfreut über den Zusammenhalt unter den Beschäftigten in Lingen. Ein Mitarbeiter des Insolvenzverwalters aus Wettringen und die Geschäftsleitung von Wilken hatten nach Angaben von Hass zuletzt am Montagabend die Belegschaft über den derzeitigen Verfahrensstand informiert.

Die Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter bezeichnete Hass als sehr gut. So würden sich alle Seiten bemühen, bestehende Kaufverträge, ob mit oder ohne Anzahlungen, bis zum 31. Oktober ordnungsgemäß abzuwickeln. Wie es danach weitergehe, sei gegenwärtig reine Spekulation.

Hass betonte, dass viele Kunden in den letzten Tagen ihr Bedauern über eine mögliche Schließung der Lingener Wilken-Filiale ausgesprochen hätten. Die Probleme, die zu der schwierigen Geschäftssituation geführt hätten, seien vielschichtig, erläuterte der Kaufmann, der seit Februar diesen Jahres das Haus leitet.

Ein Grund sei sicherlich der Standort des Möbelhauses am Darmer Esch. ,,Wir sind auf ortskundige Kunden angewiesen, denn wir können nicht davon ausgehen, dass uns jemand zufällig findet", sagte Hass. Insgesamt habe die Möbelbranche seit rund drei Jahren mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Ein Aufwärtstrend sei erst in den letzten Monaten festzustellen.

Ob dieser Aufwärtstrend auch die Lingener Wilken-Filiale in die schwarzen Zahlen hieven kann, bleibt abzuwarten. Udo Hass und seine Mitarbeiter/innen wollen jedenfalls nichts unversucht lassen. ,,Selbst wenn wir den Standort Lingen verlassen sollten: dann aber mit erhobenem Kopf", sieht der Geschäftsleiter keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.


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