28.09.2004, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

"Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen"

"Wir fühlen uns von der Politik und vielen Arbeitgebern im Stich gelassen", sagte Sabrina Hillebrand, Jugendvertreterin der IG Metall Leer-Papenburg jetzt beim Protest der Gewerkschaftler gegen den freiwilligen Ausbildungspakt in der Leeraner Innenstadt.

Ihr Unmut bezieht sich genau auf den "Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs", auf den sich Regierung und Wirtschaft im Juni anstatt einer verpflichtenden Ausbildungsabgabe geeinigt hatten. "Wie in der Vergangenheit werden Versprechen nicht eingehalten", ist Hillebrand enttäuscht. Der Ausbildungspakt sei gescheitert, ein Gesetz überfällig.

Allein in den Arbeitsamtsbezirken Leer-Papenburg und Emden sind ihren Angaben zufolge rund 4000 Jugendliche unter 25 Jahren arbeitslos. Darauf machte die Gewerkschaftsjugend der IG Metall und der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft aufmerksam. Mehr als 1000 Protestkarten an Luftballons schickte der Gewerkschaftsnachwuchs auf dem Mühlenplatz in Leer gen Himmel. An einem Aktionsstand wurde über die Eckpunkte des Ausbildungspakts informiert.

Auf Kritik der jungen Gewerkschafter stößt, dass weder Ausbildungsgarantien noch eine verbindliche Steigerung der Ausbildungsverträge vereinbart sind. "Die Wirtschaft setzt sich nur das Ziel, 30000 neue Ausbildungsplätze zu schaffen. Das ist eine Milchmädchenrechnung. Unter dem Strich können sogar weniger Ausbildungsplätze dabei herauskommen", stellt Hillebrand fest. Wenn eine Firma nicht wie vorgesehen zehn Plätze streiche, sondern nur fünf, werde daraus ein statistisches Plus von fünf Plätzen.

Zudem müssten nicht vermittelte Jugendliche einen so genannten Kompetenz-Check machen. Wer durchfalle oder nicht erscheine, werde aus der Statistik der zu vermittelnden Bewerber gestrichen. "So frisiert man Statistiken", sagt Sabrina Hillebrand. Wie ihre Mitstreiter kritisiert sie darüber hinaus, dass 25000 zusätzliche Praktikumsplätze aus Steuergeldern mitfinanziert werden.


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