29.01.2009, 23:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Letzte Fahrt mit Milchwagen

Auf dem Hof von Bernd Vogel in Insingdorf holte Walter Grever zum letzten Mal frische Milch ab. Hier endete nach 46 Jahren sein Berufsleben als Milchsammeltankwagenfahrer. Milchbauern aus Wellingholzhausen, Redecke und Gesmold waren gekommen, um das Urgestein würdig in den Ruhestand zu verabschieden.

Im Namen der Milchviehhalter dankte Norbert Oberniehaus dem altvertrauten Partner der Bauern für seine Zuverlässigkeit. Grevers Tankwagen wurde zur Feier des Tages mit einem Kranz aus natürlichem Grün und Verpackungen von allerlei Milchprodukten geschmückt. Dem rüstigen Rentner gab ebenso Humana-Milchfachberater Clemens Niederwestberg die besten Wünsche mit auf seine weiteren Wege.

Gerd Nüsse, ehemaliger Geschäftsführer der Molkerei-Genossenschaft Wellingholzhausen/Gesmold, erinnerte an die Anfänge von Grevers Tätigkeit. Von 1963 bis 1970 holte der junge Mann die teils nicht lückenlos gekühlte Milch noch mit dem Trecker täglich auf jedem Hof ab – und zwar an 365 Tagen im Jahr.

Der erste Tankwagen hatte dann ein Volumen von 5000 Litern, heutige Fahrzeuge transportieren 28000 Liter. Die Höfe mit gekühlten Tanks werden jetzt in der Regel im Zwei-Tage-Rhythmus angefahren. Im Laufe seines Berufslebens hat Grever vermutlich 400 Millionen Liter Milch von den Höfen zu den immer größer werdenden Molkereien gefahren.

Der Milchwagenfahrer hat den ganzen Wandel in der Milchwirtschaft der letzten fünf Jahrzehnte miterlebt. In den Sechzigerjahren existierten noch zahlreiche Betriebe mit zwei oder drei Kühen. „An mehreren Sammelstellen habe ich 10-Liter-Kannen aufgeladen“, berichtete der Wellingholzhausener. „Gegenwärtig liegt der Schnitt der abgeholten Milchmengen pro Hof bei 1500 Litern, aber als Einzelfall gibt es den Drei-Kühe-Hof immer noch“, erklärte Niederwestberg. Bei einigen der jüngeren Milchlieferanten mit modernen Melkanlagen fuhr Grever vor 40 Jahren schon auf den Hof, als dort die Großväter noch mit der Hand melkten.


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