25.02.2010, 23:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Der Redecker war ein Radmacher und Wagenbauer

Astrid Redecker aus Bad Laer fragt sich, ob ihr Name mit Wald (Reh) und Äckern (decker) zu tun haben kann. Guido Recker aus Wallenhorst kann sich vorstellen, dass sein Name in Zusammenhang mit der Gemeinde Recke im Kreis Steinfurt steht. Reinhold Räkers aus Spelle hat festgestellt, dass es viele Spielarten seines Namens wie Rekers, Reekers, Reker, Reeker gibt.

In Nordwestdeutschland, und hier vor allem im westfälischen Sprachgebiet, gibt es eine ganze Reihe ähnlicher Familiennamen, die historisch zusammengehören können. Dies sind einerseits die Namensformen Reeker, Rehker, Reker, Recker und Rekker mit den zugehörigen Genitivnamen Reekers, Reeckers, Rekers und Reckers („Reekers Sohn“), andererseits gehören als Schreibvarianten dazu Räker und Räcker mit den Genitiven Räkers und Räckers.

Erstens können die Namen auf den altdeutschen Rufnamen Rîkhard zurückgehen, der aus den Namenwörtern „rîk“ (Herrschaft; mächtig, reich) und „hard“ (hart, streng, kühn, stark) zusammengesetzt ist. Dieser im Mittelalter sehr verbreitete Rufname war in seiner ursprünglichen Form zu Beginn der Neuzeit im deutschen Sprachgebiet ausgestorben.

Mit der Begeisterung für englische Autoren wurde der Rufname Ende des 18. Jahrhunderts in der Form Richard wiederbelebt, wobei sich auch die Aussprache am Englischen orientierte.

Niederdeutsch „Rîkhard“ wurde unter anderem zur Namensform Reckhard umgeformt, die weiter zu Reckert vereinfacht und in einigen Fällen schließlich zu Recker, Re(e)ker verkürzt wurde. Dazu vier historische Belege: 1382 ist Reckert Bovinch in Coesfeld bezeugt, 1395 Rekert Kolve in Dortmund, 1396 Rekart Hervest in Soest. Ohne -t erscheint der Vorname bei Reker in den Withopen (1540 in Ohrbeck bei Osnabrück).

Zweitens kann es sich bei den Namensformen Recker und Rekker mit kurzem Vokal e in der ersten Silbe um Herkunftsnamen zum Ort Recke handeln.

Drittens und wahrscheinlich in den meisten Fällen kann der Berufsname des Radmachers und Wagenbauers zugrunde liegen, der im Mittelniederdeutschen „redeker“ lautete. Zumeist ist der Berufsname in unveränderter Form erhalten geblieben, fast 3000 Personen tragen heute den Familiennamen Redeker, der somit zu den häufigen deutschen Nachnamen zählt. Seltenere Varianten von Redeker sind Redecker, Reddecker, Redicker, Redieker, Rediker, Rädecker und Rädeker.

Sehr häufig schwand im niederdeutschen Gebiet der Konsonant d. So entstanden Lü(c)ke aus Lüde(c)ke, Schröer aus Schröder. Ganz entsprechend wurde Rede(c)ker, Räde(c)ker bei etlichen Familien zu Re(c)ker, Reeker, Rä(c)ker verkürzt.


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