03.12.2002, 23:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Was Zeitungszusteller so alles erleben

Wer 43 Jahre die Zeitung austrägt, der kann was erzählen: Eine 78-jährige Zustellerin aus Georgsmarienhütte hat einmal um fünf Uhr morgens eine Massenschlägerei beendet, indem sie einfach in ihre Trillerpfeife blies. Und schon war Ruhe.

  Die Zustellerinnen und Zusteller, die die Neue Osnabrücker Zeitung an die Haushalte im südlichen Landkreis austragen, tauschten gestern während der Weihnachtsfeier im Kolpinghaus in Georgsmarienhütte schöne und weniger schöne Erlebnisse aus. Denn gerade im Winter ist es nicht immer ein Vergnügen, die Zeitung in die Häuser zu tragen, wie der Geschäftsführer des Medien-Vetriebs Osnabrück (MVO), Hartmut Schewemann, gestern sagte. "Auf Ihre Leistung sind wir stolz", so Schewemann weiter, "denn Sie haben vor Ort manche Schwierigkeiten zu meistern, die vielen gar nicht bewusst sind."

Elisabeth Haunhorst aus Glane zum Beispiel meistert diese Schwierigkeiten seit 43 Jahren zuverlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk. Sechs Mal die Woche macht sie sich um 4 Uhr mit dem Rad auf ihre 43 Kilometer (!) lange Tour durch Glane und Sentrup. "Schnell, schnell muss es gehen", sagt sie resolut. Die Zeitung wird ins Haus gebracht, da kennt sie keine Kompromisse. Und diese Verlässlichkeit, die für alle Zusteller gelte, würdigten Hartmut Schewemann und der Leiter Gesamtvertrieb Neue OZ, Martin Ellenberger, besonders.

Bernhard Rieger (71) und seine Frau Anna (72) halten sich mit dem Zeitungsjob fit. Um 4.50 Uhr startet das Ehepaar die Tour über die Harderberger Egge. Sind alle Zeitungen verteilt, gehen die beiden zum Frühschwimmen ins Panoramabad und bringen anschließend den Kindern und Enkelkindern Brötchen mit in ihr Drei-Generationen-Haus. Als sportliche Übung betrachten auch Bärbel und Dieter Rosteck den Zeitungsjob. "Man kommt ganz schön ins Schwitzen, sogar jetzt um diese Zeit", sagt die 65-Jährige, die mit ihrem Mann morgens um kurz nach 4 Uhr in Kloster Oesede im Bereich Hohe Linde losmarschiert.

"Egal, was in der Welt oder daheim passiert, Sie sind die Garanten, dass alle Meldungen den verwöhnten Leser erreichen", sagte MVO-Leiter Hartmut Schewemann den vier Frauen und dem einen Mann, die seit zehn Jahren zuverlässig unsere Zeitung austragen und dafür geehrt wurden. Es sind: Maria Plogmann, Walburga Buchhorn-Zimmer (beide Hagen), Gabriele Walther (GMHütte), Elfriede Bensmann (Bad Rothenfelde) und Karl-Heinz Meyer (Hasbergen).

Jene Zustellerin, die die Massenschlägerei schlichtete, hätte der Polizei auch in einem anderen Fall die Arbeit abnehmen können. Eines Morgens fand sie vor dem GMHütter Rathaus einen schwarzen Aktenkoffer. Sie nahm ihn, schüttelte ihn und stellte in zurück in der Annahme, der Besitzer werde ihn hier sicher suchen. Als sie einige Stunden später wieder am Rathaus vorbeikam, hatte die Polizei alles abgesperrt und ein Sonderkommando den Aktenkoffer auseinandergenommen. Es hätte ja eine Bombe sein können. Ihr Kommentar: "Das hätte ich denen vorher sagen können, das da nichts drin ist".


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