10.04.2000, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Kinderosteopathie: Die sanfte Heilmethode?

Meppen (ghm)
Ärzte, Physiotherapeuten und Eltern aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen an einem dreitägigen Aus- und Fortbildungsseminar für Kinderosteopathie teil, das die Deutsche Akademie für osteopathische Medizin im Meppener Heilpädagogischen Zentrum durchführte. "Die Osteopathie ist eine sanfte Heilmethode und kann gerade bei Kindern vielleicht viele Operationen ersparen", erläuterte der Chefarzt der Kinderabteilung des St. Bonifatius-Krankenhauses Lingen, Dr. Henry Bosse.

"Der Bedarf in Deutschland nach einer osteopathischen Behandlung von Kindern ist riesengroß", sieht der Präsident der Deutschen Akademie für osteopathische Medizin, Dr. Horst-Peter Schwerdtner, einen starken Nachholbedarf. Als einen in Kinderosteopathie erfahrenen Referenten erlebten die Teilnehmer aus ganz Deutschland den Amerikaner D.O. Harry Friedmann aus San Franzisko. In den USA ist die Osteopathie ein eigenständiger Studienzweig und dem normalen Medizinstudium gleichgestellt. In Deutschland kämpfen die Anhänger der Osteopathie noch um ihre offizielle Anerkennung, obwohl Osteopathie bei Erwachsenen und Kindern zunehmend erfolgreich praktiziert wird.

Die Runde der Teilnehmer dieser Aus- und Fortbildungsveranstaltung, die von Stuttart bis Kiel reichte, zeigt, dass die Osteopathie auch in Deutschland stark im Kommen ist. Das Emsland, hier vor allem auch mit dem Meppener Orthopäden Dr. Rys und dem Lingener Chefarzt Dr. Bosse, ist inzwischen "eines der Zentren der osteopathischen Behandlung in der Bundesrepublik geworden", wie Präsident Schwerdtner es anerkennend ausdrückte. Niederländische Physiotherapeuten praktizieren schon seit Jahren erfolgreich Osteopathie. Bereits im Säuglingsalter können Blähungen, die sog. Dreimonatsblähungen, Unruhe, Saugprobleme, Schlafprobleme, Verstopfung des Tränenkanals, Überstreckung des Kopfes, Verstopfung oder Durchfall, Spucken, motorische Verzögerungen usw. behandelt werden. Bei Kleinkindern findet die Osteopathie zum Beispiel Anwendung bei Entwicklungsstörungen, Sprachproblemen, häufige Mittelohrentzündungen, Schnupfen, Schielen, Gleichgewichtsstörungen und Hyperaktivität. Konzentrationsstörungen, Lernschwächen, Verhaltensauffälligkeiten und Kopfschmerzen im Schulkinderbereich sind durch Osteopathie zu heilen bzw. zu lindern.

"Wichtig ist, dass Eltern von behinderten Kindern in Kontakt mit neuen Heilmethoden kommen, aber nicht übersteigerte Hoffnungen auf komplette Gesundung haben", betonte HPZ-Leiterin Elisabeth Wittenbrink. Sie begrüßte vor allem, dass jetzt Orthopäden, Kinderärzte, Physiotherapeuten bis hin zu Logopäden alle gemeinsam behinderte Kinder behandeln. "Diese Vernetzung kann nur zum Vorteil der behinderten Kinder sein", so die HPZ-Leiterin. Die Kinderosteopathie könne sicherlich die Symptome lindern und dadurch schon Erleichterung bringen für die Betroffenen und deren Angehörige. So bestätigten auch viele der anwesenden Eltern, dass ihre Kinder nach der osteopathischen Behandlung zum Beispiel ausgeglichener seien, motorische Fähigkeiten sich verbessern haben. "Und dies ist schon sehr viel", bestätigte ein Vater. Immerhin konnten während des dreitägigen Seminars sich rund 40 Kinder kostenlos behandeln lassen. "Es waren die gleichen Kinder, die wir beim letzten Seminar untersucht und behandeln konnten", erläuterte Dr. Rys. Dadurch habe man die Möglichkeit gehabt, jetzt nach erneuter Untersuchung Bilanz zu ziehen. Und die sieht positiv aus, denn viele der behandelten Symptome "haben sich in ihrem Schweregrad verbessert".

Wichtig für eine erfolgreiche Kinderosteopathie ist, dass sich diese nicht auf einzelne Symptome konzentriert, sondern versucht, "die Vielfalt der Symptome zusammen zu verbinden", erläuterte Dr. Rys. Dazu benötige man eine ausführliche Anamese (Befragung) und genaue Untersuchung mit den Händen, um die Mobilitätsverlsute (Beweglichkeit) der Organe, Muskeln, Gelenke und Bindegewebe zu ertasten. So finde man bei Babys und Kleinkindern oft die Störungen am Schädel, Hals und im Bauchbereich. Hier wird dann an einer oder mehreren Stellen Druch auf das Nervensystem und die Gefäße ausgeübt, was zu unterschiedlichen Symptomen, abhängig vom Alter, führen kann. Um die Störungen zu beheben, benutzt man sanfte Griffe (daher die sanfte Heilmethode) gegen den Schädelbereich, wodurch Verformungen und Verschiebungen der Schädelknochen beseitigt. "Dies führt zur Entspannung des Gehirns, der inneren Organe und des Bindegewebes mit der Folge, dass das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Systemen sich normalisiert.


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