30.05.2008, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

„Das geht nur, wenn man ganz für das Geschäft lebt“

Als Theo Kuhlmann während des Zweiten Weltkrieges geboren wird, ist das Geschäft seines Vaters Bernhard Kuhlmann-Wöstmann an der Ankumer Hauptstraße bereits neun Jahre alt. Der Vater (Jahrgang 1905), aus Berge stammend, ist Unternehmer aus Leidenschaft.

Er hat eine solide kaufmännische Ausbildung durchlaufen, erweitert seinen Horizont in Holland und Bremen, um dann in Ankum 1938 sein Bekleidungsgeschäft zu eröffnen. Nach dem Krieg erfindet Bernhard Kuhlmann-Wöstmann ein neues Produktionsverfahren zur Herstellung von Handtaschen, Brieftaschen und Schultornistern aus Kunstleder. Alles Waren, die in der Nachkriegszeit schwer zu bekommen und heißbegehrt sind.

Bernhard Kuhlmann-Wöstmann hat so neben seinem klassischen Bekleidungssortiment eine veritable Marktlücke entdeckt und den Grundstein für das heutige Unternehmen gelegt. Sein „Kind“, das Bekleidungshaus Kuhlmann-Wöstmann, wie es noch heute eher bescheiden heißt, expandiert stetig und in immer größeren Schritten.

Längst hat Theo Kuhlmann 1973, nach dem Tod seines Vaters, und dem tödlichen Unfall seines Bruders Günter 1979 das Geschäft zusammen mit seiner Frau Anni übernommen – die nächste Generation mit Sohn Michael und Tochter Ann-Christin steht schon in den Startlöchern. Vier Kinder haben Anni und Theo Kuhlmann großgezogen, und in der Zeit das Bekleidungshaus Kuhlmann-Wöstmann zu dem gemacht, was es jetzt ist.

„Das geht nur, wenn man ganz für das Geschäft lebt“, bilanziert der Seniorchef. Augenfälliges Beispiel für diese, das Private hintanstellende Einstellung ist der schöne Garten der Familie hinter Geschäft und Wohnhaus der Kuhlmanns. Er wird demnächst der Erweiterung der Damenabteilung geopfert, sehr zum Leidwesen des Seniorchefs.

Trotzdem haben es Anni und Theo Kuhlmann verstanden, ihren vier Kindern positiv zu vermitteln, dass es sich lohnt, für den Familienbetrieb zu arbeiten. „Früher, wenn die Kinder aus der Schule kamen, haben sie immer erst eine Runde durchs Geschäft gedreht und sind dann nach oben gegangen. Sie sind damit groß geworden, dass wir hier gearbeitet haben und sich unser Familienleben erst nach Geschäftsschluss abspielte “, erzählt Anni Kuhlmann.

Entspannung und Ausgleich finden die Kuhlmanns bei ausgiebigen Radtouren oder den eigenen Pferden. Tochter Ann-Christin fährt gerne und viel auf Inlinern durch die Gegend, Sohn Michael ist begeisterter Fußballer im Quitt Ankum.

Allen „Kuhlmanns“ gemein ist ihre Begeisterung für Reisen. „Wir sind schon überall auf der Welt gewesen“, schwärmt Anni. Eine mexikanische Schwiegertochter und ein Sohn als Pilot helfen dabei.

Anni und Theo sind froh darüber, zwei ihrer Kinder mit im Geschäft zu haben. Ann-Christin macht mit ihrer Mutter Einkauf und Buchhaltung, während Michael seit zwei Jahren mit seinem Vater in der Geschäftsleitung tätig ist.

Vor seiner Rückkehr ins heimatliche Ankum hat der studierte Betriebswirt wie sein Großvater Bernhard seinen beruflichen Horizont durch Auslandsaufenthalte in Argentinien, Ungarn und Spanien erweitert und gefestigt. Und doch lebt der Jungunternehmer ausgesprochen gerne in Ankum. Hier seine Liebeserklärung an sein Dorf: „Ich bin sehr heimatverbunden und immer wieder froh, nach Ankum zu kommen. Die Wege sind kurz, das Leben ist persönlich, es ist ruhiger und die Luft besser als in der Stadt. Zum Arbeiten ist es hier perfekt.“


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