02.12.2008, 23:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Rote Karte für Gewalt im Klassenzimmer

Die Rauferei unter den Augen von Sozialarbeiter Lars Geisler ist gestellt, sie ist eine Übung für den Ernstfall und ein Baustein des sozialen Kompetenztrainings. Foto: Bärbel Recker-PreuinDie Rauferei unter den Augen von Sozialarbeiter Lars Geisler ist gestellt, sie ist eine Übung für den Ernstfall und ein Baustein des sozialen Kompetenztrainings. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Es geht heiß her in der achten Klasse der Hauptschule Bissendorf. Vier Schüler balgen sich auf dem Boden, einer versucht, dem anderem die Schuhe auszuziehen, es fliegen die Fetzen, aber niemand kommt zu Schaden, und nachher wird gelacht. Dieser handfeste Zoff ist gestellt. Es ist eine Übung für den Ernstfall und ein Rollenspiel im Gewaltpräventionsprojekt „Prompt“, das vom Landkreis und der RWE gesponsert wird.

Bald haben sich die Gemüter beruhigt, und man stellt fest, dass man einiges gelernt hat. Zum Beispiel wie schwierig es ist, sich ohne Gewalt durchzusetzen. „Meistens wird geschlagen, wir können gar nicht anders,“ gibt Marcel zu. „Doch,“ entgegnet Abdal, „eben ging es.“

Vor dem spielerischen Kampf um die Turnschuhe gab es klare Regeln, und jeder hielt sich daran. So kam es zwar zur Auseinandersetzung, aber nicht zu Tätlichkeiten. Aufmerksame Beobachter der Szene waren Lars Geisler, Kristina Eversmann von der Maßarbeit und Klassenlehrer Bernd Belau. Lars Geisler behielt die Fäden in der Hand, immer bereit, beim kleinsten Regelverstoß einzuschreiten.

Das Sozialtraining in der Klasse hat bereits Früchte getragen“, berichtet Bernd Belau. Wie Schulleiterin Gisela Kascha nahm er das Angebot der Maßarbeit, das Gewaltpräventionsprojekt durchzuführen, gern an. Schließlich geht es darum, Gewalt oder Schulverweigerung keine Chance zu geben, um ein angenehmes Klassenklima und damit um Spaß an der Schule, so die Pädagogen.

Zehn Wochen lang kam Lars Geisler für jeweils zwei Unterrichtstunden in die Klasse. Der Sozialarbeiter und Anti-Gewalt-Trainer ist für die Schüler mehr Freund als Lehrer und jemand, der bei Fehlverhalten keinen Pardon kennt. Die 22 Schüler sind auf einer Liste vermerkt. Hinter den Namen sind viele grüne Punkte eingetragen. Jeder Punkt ist ein Zeichen für Hilfsbereitschaft, Aufmerksamkeit, ein gutes Gespräch oder einen gelösten Konflikt. Es gibt aber auch rote Punkte. Ist der verteilt, hat sich jemand nicht an die Regeln gehalten, die Gemeinschaft gestört, Streit angezettelt oder sogar Gewalt angewendet. Für den einen roten Punkt gab es schon einmal einen Kuchen als Entschuldigung oder eine Rap-Vorführung für die ganze Klasse. Betritt Lars Geisler die Klasse, nimmt er die Stimmung auf, und die Probleme der Woche werden diskutiert. „Prompt wird immer neu und individuell auf die Klasse abgestimmt“, so der Anti-Gewalt-Trainer.

Auch wenn das Programm „Prompt“ beendet ist und Lars Geisler nicht mehr in die Klasse kommt, geht an der HRS Bissendorf das Anti-Gewalt-Training weiter. Bevor Geisler zum ersten Mal die Klasse betrat, hatte er dem Lehrerkollegium und Schulsozialarbeiterin Nicole Franke das Sozial-Training vorgestellt und den Inhalt vermittelt.


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