27.07.2009, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Über den Pfarrgarten zum neuen Job

Wiebke Köhler, Kirsten Bonsen, Roswitha Greimann und Martin Fromme genießen die Sonne und den Garten, der sich vor ihnen auf gut 5000 Quadratmetern ausbreitet. Blüten zeigen sich zwar spärlich, denn es gibt noch viel freie Erde zwischen den Stauden, hier und da muss gepflastert werden. Trotzdem lässt sich die Pracht erahnen, die hier erblühen wird. Schon jetzt schließt sich der Pfarrgarten Holte mit seiner ursprünglichen Schönheit dem historischen Kirchdorf an. Am Sonntag, 13. September, wird der Garten eröffnet.

„An diesem Taufstein wurde mein Großvater getauft“, erzählt Michael Simon. Er ist der Nächste in der Runde, der sich über den Pfarrgarten freut. Nicht nur aus nostalgischen Gründen. Der Bissendorfer ist maßgeblich daran beteiligt, dass der alte Taufstein demnächst wieder seine Aufgabe erfüllt. Simon pflasterte die Terrassen, legte Wege durch die Bauerngärten und pflanzte Blumen und Obstbäume.

Mit dieser Arbeit kam wieder Struktur in seinen Tagesablauf. Simon qualifizierte sich und erhielt nach vier Jahren Arbeitslosigkeit einen Arbeitsvertrag bei einem Osnabrücker Landschaftsgärtner. Der Pfarrgarten ist für Simon mehr als eine Gartenanlage, vielmehr die entscheidende Etappe in ein neues Leben. „Bei diesem Projekt gibt es nur Gewinner“, versichert Martin Fromme, stellvertretender Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Region Osnabrück. Seit Februar 2008 ziehen die Kirchengemeinde Holte, die Awo und die Maßarbeit im Pfarrgarten Holte an einem Strang.

Zum Nutzen von Langzeitarbeitslosen, Liebhabern historischer Gartenidyllen und natürlich den Gemeindegliedern. Roswitha Greimann vermittelt als Maßarbeit-Koordinatorin Arbeitslose für dieses Projekt. „Holte hat sich als eine erfolgreiche Maßnahme zur Eingliederung in den Arbeitsprozess erwiesen“, sagt Greimann. „Langzeitarbeitslose erleben hier einen sanften Einstieg“, ergänzt Kirsten Bonsen. Die Gartenbauingenieurin der Awo ist Anleiterin für die vermittelten Mitarbeiter, unterstützt wird sie von Sozialarbeitern.

Roswitha Greimann, Martin Fromme und Wiebke Köhler verkünden: Das Maßarbeit-Projekt Holte ist bis zum 31. Dezember 2009 verlängert. Zunächst war die Eingliederungsmaßnahme für ein Jahr ausgeschrieben, dann wurde bis Juli 2009 verlängert, und jetzt gibt es noch einmal sechs Monate Nachschlag. Jeweils elf Teilnehmer der Maßarbeit arbeiten für sechs Monate in Holte. Vor zwei Jahren hatte unsere Zeitung über den Hilferuf von Pastorin Köhler berichtet. Ihr wuchs das Grün ihres riesigen Pfarrgartens über den Kopf. Es meldeten sich Gartenliebhaber, die mithelfen wollten, die Gartengruppe der Heilpädagogischen Hilfe machte den Anfang, dann stiegen Awo und Maßarbeit ein.

Der Garten ist seitdem kaum wiederzuerkennen. Die alten Bruchsteinmauern wurden ausgebessert, rund um den Taufstein wurden Terrassen gelegt. Die Maßarbeiter pflasterten eine Bühnenfläche und verschlungene Wege. Es entstanden Obstbaumwiesen, Rosen-, Stauden- und Kräuterbeete, dazwischen Sitzecken. „In zwei oder drei Jahren steht alles in voller Pracht“, meint Kirsten Bonsen. Die Gartenplanerin spricht ein Problem an: Die neuen Anpflanzungen brauchen gerade in den ersten Jahren regelmäßige Pflege. Wer zupft nun das Unkraut, wenn das Maßarbeit-Projekt ausgelaufen ist? „Wir werden eine Lösung finden“, versichern Bonsen und Köhler.

Gefördert wird das Gartenprojekt von der Naturschutzstiftung, dem Landschaftsverband und der Niedersächsischen Lottostiftung, außerdem von zehn Sponsoren aus der Wirtschaft und natürlich vielen Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde, die sich mit Pflanzenspenden, Maschinenstunden und Gartenarbeit einbrachten.

Gottesdienste, Gemeindefeste und Konzerte sollen hier stattfinden. Die uralten Mauern, die Terrassen oder die Rosenranken bieten die Kulisse für Taufen und Trauungen.

Gibt es auch unerfüllte Wünsche? Wiebke Köhler hatte in der Tat zwei ganz besondere, und das Beste: beide werden erfüllt. Ihr Nachbar Reinhold Dinkmeier schenkte der Kirchengemeinde ein Backhaus. Es wird auf seinem Grundstück abgetragen und im Pfarrgarten wieder aufgebaut. Ein Steinbackofen für Brotbackaktionen wäre ideal, schwärmt die Pastorin. „Ich hätte gern noch ein Maulbeerbäumchen“, so der zweite Wunsch von Köhler. „Im Herbst wird es gepflanzt“, verspricht Bonsen. Der Maulbeerbaum hat eine religiöse Bedeutung. Im 17. Jahrhundert war es die Aufgabe der Küster, Seide zu ernten, produziert von Seidenspinnern, die sich von den Blättern des Maulbeerbaumes ernähren. Ob die Pastorin darin eine Einnahmequelle zur Deckung der Gartenpflegekosten sieht?

Vorbereitung: Heute findet um 19.30 Uhr im Gemeindehaus ein Treffen zur Vorbereitung des Einweihungsfestes statt. Wer Ideen hat und sich einbringen möchte, ist eingeladen.

Am Sonntag, 13. September beginnt das ganztägige Gemeindefest zur Eröffnung des Pfarrgartens um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst.


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