14.10.2003, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Lengerich: Firma Slump schließt zum 31. Oktober

Das Fachgeschäft Gerhard Slump GmbH in Lengerich schließt zum 31. Oktober seine Pforten - nach 182 Jahren. Inhaber Gerhard Kehl: ,,Die Ertragslage unseres Hauses ist schon seit Jahren rückläufig, so dass unser Geschäft auf Dauer nicht mehr zu halten ist." Discounter und Großmärkte, die wie er Eisenwaren, Garten- und Haustierbedarf sowie Geschenkartikel veräußerten, nähmen in zunehmendem Maße den Mittelständlern in den umliegenden Gemeinden die Grundlage für ein weiteres geschäftliches Überleben weg.

Wie Kehl gegenüber unserer Zeitung bedauerte, sei es heute so, dass immer mehr Menschen die Angebote aus den Großmärkten wahrnähmen, anstatt auch vor Ort einmal zu prüfen, ob die Preise für vergleichbare Angebote nicht gleich oder sogar noch darunter lägen. ,,Zu uns kommt man oft nur noch, wenn es darum geht, sechs lose Nägel oder ein paar Schrauben zu kaufen, die es im Großmarkt nur in Hunderter-Packs gibt. Damit ist auf Dauer ein Geschäft wie das unsere, das eigentlich alles für den Bedarf um Wohnung, Haus und Garten abdeckt, einfach zu wenig", erklärte der Geschäftsmann.

Für das Gründungsjahr des ursprünglichen Eisenwarengeschäftes wurde das Jahr 1821 angenommen. Damals hatte Johann-Heinrich Slump ein Grundstück gekauft und war dabei als ,,Kaufhändler" genannt worden. Der Übergang vom Handwerk zum Handel dürfe allerdings weit vorher erfolgt sein. 29 Jahre später, also 1850, übernahm Johann-Bernard das gutflorierende Geschäft.

Johann-Bernard Slump hatte aus zwei Ehen zehn Kinder, eines davon war Gerhard Slump. Seine Frau Anna konnte als 88-jährige Seniorchefin das 150-jährige Firmenbestehen im Jahre 1971 noch mit erleben. 1946 heiratete Tochter Maria den Kaufmann Franz Kehl, der den Beruf des Eisenwarenhändlers von der Pike auf erlernt hatte. Deren Sohn Gerhard und seine Frau Waltraud führen das Unternehmen bis heute.

,,Noch genau bis zum 31. Oktober", präzisiert der Einzelhändler. Natürlich habe man im Vorfeld mit Experten gesprochen, um wirklich sicher zu gehen, ob an der Schließung des Geschäftes vielleicht nicht doch noch ein Weg vorbei gehe. Kehl: ,,Wir haben mit vielen gesprochen und alle haben uns vom Weitermachen abgeraten." Prognostiziert worden sei zudem, dass auch andere kleinere Einzelhandelsgeschäfte in der Fläche gegen die großen Zentren in den Städten kaum noch Überlebensmöglichkeiten hätten. ,,Ich schreibe zurzeit Bewerbungen, um wieder eine neue Arbeit zu bekommen", berichtete der Unternehmer. Ob und wann das Bemühen um eine neue Arbeit mit Aussicht auf Erfolg gekrönt werden könne, wusste er allerdings nicht zu beantworten.


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